| NATUR | Hexe aus dem Geschlecht der Maria; Schöpferin von Portalen |
|---|---|
| BESITZ | Landgut, Garten, Traumwelt |
| HAUPTKRAFT | Zähmung von Wesen durch Wünsche und wahre Namen |
| GRÖSSTE SCHWÄCHE | Neugier, Vertrauen in das System der eigenen Zaubersprüche |
Agnet verwandelte das Familienanwesen in einen Knotenpunkt zwischen den Welten und hinterließ Chelsea kein Vermögen, sondern eine Einweihung, getarnt als Testament.
Vollständiger Name: Agnet
Weitere Bezeichnungen: Herrin des Anwesens, Sammlerin der Geister, Vorläuferin der Hexen
Wesen: Mensch, geborene Hexe; nach ihrem Verschwinden – geisterhafte Gefangene der Zwischenwelt
Verwandtschaftslinie: Nachfahrin Marias, Tante von Chelsea und Melissa
Hauptbesitz: das Anwesen und die darin befindliche höllische Sammlung
Bekannter Wächter: Jack, der Dämon der Kerzen
Hauptmerkmal: Kann die Wünsche eines unbekannten Wesens verstehen, das Gesetz seiner Existenz ergründen und die Bedrohung in einen Teil eines kontrollierbaren Systems verwandeln
Gefahrenstufe: extrem hoch
Moralische Bewertung: zwiespältig; sie ist in der Lage, Seelen zu retten, zu schützen und zu bewahren, akzeptiert jedoch Risiko, Laster und fremde Wünsche als natürlichen Bestandteil magischer Erkenntnis
Allgemeine Beschreibung
Agnet ist die heimliche Architektin fast der gesamten Geschichte von Chelsea.
Sie steht selten im Mittelpunkt des Geschehens, doch gerade ihre Handlungen lösen die zentralen Ereignisse der Serie aus. Agnet versammelt Geister und Dämonen, verwandelt das Anwesen in einen Knotenpunkt zwischen den Welten, nimmt Jack auf, erschafft Portale, bereitet das Erbe für Chelsea vor und beeinflusst auch nach ihrem eigenen Verschwinden weiterhin das Schicksal ihrer Nichten.
Auf den ersten Blick beginnt ihre Geschichte im Teutoburger Wald, wo die junge Agnet einer wunderschönen Frau in Weiß begegnete und zum ersten Mal von der Existenz einer jenseitigen Welt erfuhr.
Betrachtet man jedoch die gesamte Geschichte, wird klar: Agnet hat keine neue Hexentradition begründet.
Sie hat die fast unterbrochene Verbindung zum alten Geschlecht der Maria wiederhergestellt.
Die Frau in Weiß war keine zufällige Waldgeliebte oder ein umherirrender Geist. Sie war Teil eines alten Familienrituals – die letzte Möglichkeit, die Gabe weiterzugeben, falls die ältere Hexe es nicht geschafft hatte, die jüngere auszubilden.
Agnet erhielt jedoch lediglich die Möglichkeit, das Verborgene zu sehen und zu spüren.
Sie erhielt kein fertiges Grimoire.
Sie erhielt keine Liste der Wesen.
Sie kannte die Geschichte von Maria, Jack, Henri, Jester und Johan Weber nicht.
Fast alles, was Agnet später beherrschte, entdeckte sie selbst.
Genau deshalb sind ihre Errungenschaften besonders bemerkenswert.
Sie bezwang Wesen, deren wahre Natur sie nicht einmal verstand.
Aussehen
Trotz ihres Alters hat Agnet sich eine erstaunliche Jugendlichkeit und Attraktivität bewahrt.
Sie hat langes silberweißes Haar, leuchtend grüne Augen, weiche Gesichtszüge und einen lebendigen, sinnlichen Ausdruck. Sie erinnert eher an Chelseas ältere Schwester als an eine ältere Verwandte, die ein langes und ereignisreiches magisches Leben hinter sich hat.
Agnets weißes Haar wirkt nicht wie ein gewöhnliches Zeichen des Alterns. Es scheint vielmehr ihre Verbindung zur Frau in Weiß, zur Welt der Geister und zur familiären Weihe zu unterstreichen.
Der genaue Grund für ihre Jugendlichkeit wird nicht genannt. Wahrscheinlich wird sie durch mehrere Faktoren gleichzeitig aufrechterhalten:
einer angeborenen Gabe;
einem ständigen Austausch von Kraft mit den Geistern;
dem Leben in der Nähe von Wesen, die nicht der menschlichen Zeit unterworfen sind;
geschaffenen Portalen;
Praktiken, bei denen Begierde, körperliche Lust und Magie zu einer einzigen Energiequelle verschmelzen.
Agnet macht nicht den Eindruck einer Frau, die sich verzweifelt an ihre Jugend klammert.
Sie hat einfach schon längst aufgehört, sich vollständig der gewöhnlichen Zeit zu unterwerfen.
Ihre Schönheit ist weder eine Maske für einen altersschwachen Körper noch eine Illusion zur Verführung. In ihr sind echte Lebenskraft, Neugier und körperliche Energie erhalten geblieben.
Für Agnet war Sinnlichkeit nie ein eigenständiger Charakterzug.
Sie war Teil ihrer Magie.
Die fast verlorene Linie
Die Linie Marias
Agnet ist eine entfernte Nachfahrin von Maria – einer Kräuterhexe, die im Jahr 1585 lebte.
Einst wurde diese Gabe innerhalb der Familie von der ältesten Frau an die jüngste weitergegeben. Zusammen mit ihr sollte die Erbin das Wissen über Kräuter, Geister, Schutz, Wünsche und die Regeln des Umgangs mit Wesen aus anderen Welten erhalten.
Doch die Verbindung stand mehrmals kurz vor dem vollständigen Abbruch.
Maria erhielt von ihrer Großmutter nur einen Teil des Wissens. Diese hatte es nicht mehr geschafft, die Ausbildung abzuschließen, und die Frau in Weiß war nicht zu Maria selbst gekommen. Deshalb spürte Maria zwar das Übernatürliche und kannte sich mit Kräutern aus, hatte es aber noch nicht geschafft, den Schutz der Geister zu meistern.
Im Laufe der Jahrhunderte vertiefte sich der Bruch noch weiter.
Agnet wuchs auf, ohne ihre eigene Herkunft zu verstehen. Ihre Mutter erzählte ihr nichts von der Hexenlinie und gab ihr keine vollständige Einweihung weiter. Auch die Gründe für die ständigen Umzüge blieben für das Mädchen ein Rätsel.
Da setzte der uralte Familienmechanismus von selbst ein.
Im Teutoburger Wald kam eine Frau in Weiß auf Agnet zu.
Später, als Chelsea Maria erzählte, dass ihre Tante nach der Begegnung mit der unbekannten Frau in Weiß zur Hexe geworden war, erkannte Maria die Beschreibung sofort. Sie erklärte, dass eine solche Einweihung in ihrer Familie seit jeher so vollzogen werde: Wenn die Ältere es nicht schaffe, der Jüngeren die Gabe weiterzugeben, erscheine eine Frau in Weiß.
Kein Anfang, sondern eine Rückkehr
Für Agnet selbst war die Begegnung im Wald tatsächlich ein Anfang.
Vorher wusste das Mädchen nicht, dass sie zu einem Hexenclan gehörte. Sie verstand die Natur der Träume, Geister und unerklärlichen Empfindungen nicht, die ihr Leben begleiteten.
Doch für den Stamm war es nicht die Geburt einer neuen Hexe.
Es war die Rückkehr der verlorenen Erbin.
Die Frau in Weiß schenkte Agnet keine fremde Kraft. Sie offenbarte ihr das, was bereits in ihrem Blut lag.
Gleichzeitig wurde die Tradition nicht sofort in ihrer ganzen Fülle wiederhergestellt.
Agnet erhielt die Gabe, aber keine Erklärungen.
Sie konnte das Verborgene sehen, die Anwesenheit von Wesen spüren und mit ihnen in Kontakt treten, wusste jedoch oft nicht:
ihre wahren Namen;
ihre Herkunft;
ihren Platz in der Struktur der Welten;
ihre frühere menschliche Geschichte;
ihre Verbindung zu ihrem eigenen Geschlecht;
die Gründe, aus denen sie gemeinsam erschienen.
Agnet setzte ihre Schulausbildung nicht fort.
Sie baute die Hexenpraxis fast von Grund auf neu auf.
Die Frau in Weiß
Die erste Begegnung
In ihrer Jugend zog Agnets Familie in die Oberpfalz.
Dem Mädchen kam dieser Ort langweilig und trostlos vor. Um sich wenigstens ein wenig zu unterhalten, spazierte sie allein durch den Wald und ignorierte dabei die Warnungen der Einheimischen.
Etwa ein halbes Jahr später begegnete Agnet einer wunderschönen Unbekannten, die ganz in Weiß gekleidet war.
Die Frau wurde ihre erste Geliebte und ihre erste echte Führerin in die Welt jenseits der menschlichen Realität.
Als Agnets Familie erneut umziehen musste, kehrte das Mädchen in den Wald zurück, um sich zu verabschieden. Sie konnte ihre Tränen nicht zurückhalten, doch die Unbekannte lächelte nur.
Auf die Frage, warum sie sich vor dem endgültigen Abschied so freue, antwortete die Frau: Nun müsse sie sich nur noch schlafen legen und nach ihr rufen.
Agnet fand, dass dies eine schöne Metapher sei.
Doch schon nach dem Umzug legte sie sich hin, dachte an ihre Geliebte – und diese erschien in leibhafter Gestalt.
Da begriff Agnet, dass die Frau in Weiß kein gewöhnlicher lebender Mensch war.
Nach dieser Begegnung begannen sich ihr Geheimnisse zu offenbaren, die vor den meisten Menschen verborgen blieben.
Die Mentorin durch die Wonne
Agnets Einweihung war kein trockener Ritus der Weitergabe von Worten und Formeln.
Die Frau in Weiß offenbarte ihr die Gabe durch Nähe, Vertrauen, Wonne und Schlaf.
Dies prägte die gesamte weitere Magie von Agnet.
Sie hat den Körper nie als etwas angesehen, das dem Verstand oder der Seele untergeordnet wäre.
Für sie ist der Körper fähig,
das Wesen der Natur zu spüren;
eine Verbindung herzustellen;
Energie aufzunehmen;
zu beruhigen;
zu unterwerfen;
den Willen zu vermitteln;
Türen zu öffnen, die aus Angst und Gewalt verschlossen sind.
Agnets Erotik ist kein schmückendes Element ihres Erscheinungsbildes.
Sie ist die Grundlage ihrer magischen Sprache.
Wo Henri Sünde sah und Weber eine messbare Ressource, sah Agnet eine Form der Kommunikation.
Die wahre Natur der Frau in Weiß
Wer genau die Unbekannte war, ist unbekannt.
Sie könnte gewesen sein:
eine uralte Hexe des Geschlechts;
der Geist der ersten Frau der Familienlinie;
die Hüterin einer vererbten Gabe;
ein Wesen, das für jede Erbin die passende Gestalt annimmt;
die lebendige Verkörperung des Rituals;
das gemeinsame Gedächtnis des Hexengeschlechts;
Doch ihre Funktion ist verständlich.
Sie bringt die Hexe nämlich in die Familie zurück, wenn die übliche Lehrkette unterbrochen ist.
Für Agnet wurde die Frau in Weiß zugleich:
Geliebte;
Mentorin;
Führerin;
das erste Wesen, dem sie sich freiwillig öffnete;
der Beweis, dass Verlangen und Magie ein und dasselbe sein können.
Aus dieser Begegnung entstand Agnets wichtigstes Prinzip:
Angst verschließt die Tür, während das Verlangen es ermöglicht, zu sehen, was sich dahinter verbirgt.
Der große Familienkreis
Agnets Geschichte bildet eine komplexe Zeitschleife.
Maria ist eine weit zurückliegende Vorfahrin von Agnet.
Agnet gibt das Erbe und die Gabe an Chelsea weiter.
Chelsea gelangt ins Jahr 1585 und trifft dort auf Maria selbst.
Maria beherrscht das System des Schutzes durch Geister noch nicht vollständig, daher bietet Chelsea ihr an, ihr das beizubringen, was sie selbst dank Agnet indirekt gelernt hat.
Nachdem sie Jack gerettet hat, bittet Chelsea Maria, ihn in der Nähe ihres Geschlechts zu behalten.
Jahrhunderte später erkennt Jack dieses Geschlecht in Agnet wieder und folgt ihr.
So ergibt sich ein geschlossener Kreislauf:
Maria und das uralte Geschlecht → die Frau in Weiß → Agnet → Chelsea → Chelseas Rückkehr in die Vergangenheit → Marias Ausbildung → Jacks Bewahrung → Marias Nachkommen → Agnet.
Es lässt sich nicht genau bestimmen, wo der Anfang liegt.
Agnet erhielt die Gabe von der Familienessenz.
Chelsea erhielt sie von Agnet.
Maria erhielt das fehlende Wissen von Chelsea.
Und die zukünftige Linie geht auf Maria selbst zurück.
Das Hexengeschlecht gibt nicht einfach nur Wissen aus der Vergangenheit an die Zukunft weiter.
Es erhält seine eigene Existenz durch die Zeit aufrecht.
Agnets Charakter
Agnet ist neugierig, sinnlich, unabhängig und fast schon krankhaft furchtlos.
Sie betrachtet Geister nicht als heilige Mächte, vor denen man sich verneigen muss. Aber sie hält sie auch nicht für etwas Böses, das man gedankenlos vernichten muss.
Sie fragt sich:
woher das Wesen gekommen ist;
was es will;
was seine Angst auslöst;
wie es den Menschen wahrnimmt;
wovon es sich ernährt;
ob man sich mit ihm einigen kann;
an welchen Ort man es binden kann;
welcher Wunsch es kontrollierbar macht;
was passiert, wenn man die gewohnte Regel des Rituals bricht.
Agnet ist Forscherin, doch ihre Methode steht im Gegensatz zu der von Weber.
Weber versucht, das Objekt von sich selbst zu trennen, es zu vermessen und in einen Mechanismus einzubinden.
Agnet tritt selbst in den Kreis ein.
Sie nutzt Verstand, Willen, Körper, Erregung und Lust als Teile einer einzigen Erfahrung.
Ihre Praxis lässt sich nicht vollständig nach Plan nachstellen.
Das wichtigste Werkzeug ist immer Agnet selbst.
Erotische Magie
Agnet ist äußerst sinnlich und ungezwungen.
Doch ihre Erotik bedeutet nicht, dass sie leicht die Kontrolle abgibt.
Im Gegenteil: Gerade in Momenten der Intimität zeigt sich ihre Macht besonders deutlich.
Sie schämt sich nicht für ihr Verlangen und lässt daher nicht zu, dass ein Wesen Scham gegen sie einsetzt.
Sie versucht nicht, sich vor einem lüsternen Geist unschuldig zu geben.
Sie weicht nicht zurück, wenn das Ritual körperlich wird.
Sie betrachtet Lust nicht als Niederlage.
Für sie sind es zwei völlig verschiedene Dinge, sich einer Empfindung zu unterwerfen und sich einem Wesen zu unterwerfen.
Agnet kann das Ungeheuer an sich heranlassen, ihm geben, was es begehrt, Lust empfinden und dennoch die Kontrolle über das Geschehen behalten.
Sie versteht, dass viele Wesen von einer Frau eines von beiden erwarten:
Angst;
Unterwerfung.
Agnet gibt ihnen weder das eine noch das andere.
Sie erwidert das Verlangen, behält sich die Entscheidung jedoch selbst vor.
Genau deshalb sind Wesen, die es gewohnt sind, Menschen durch Begierde zu unterwerfen, oft selbst an sie gebunden.
Die Philosophie des Verlangens
Agnet versteht die Geister durch ihre Wünsche.
Sie beginnt selten mit einer Vertreibung oder einem direkten Angriff. Zunächst findet sie heraus, was das Wesen anstrebt, dann lässt sie es einen Teil des Begehrten erhalten – und nutzt den Moment der Befriedigung, um eine Verbindung herzustellen.
So kam sie zu dem Schluss, dass Leidenschaft nicht das Gegenteil von Vernunft ist.
Im Gegenteil: Leidenschaft offenbart die wahre Natur eines Wesens schneller als alle Worte.
Diese Philosophie hat sie in ihrem Tagebuch formuliert:
„Die Menschen verurteilen die Leidenschaften und vergessen dabei, dass die Philosophie ihre Fackel an deren Feuer entzündet.“
Agnet versucht nicht, das Ungeheuer in ein tugendhaftes Wesen zu verwandeln.
Sie macht es berechenbar.
Wenn das Wesen hungrig ist, muss man verstehen, wovon es sich genau ernährt.
Ist es lüstern, muss man herausfinden, wo die Lust endet und die Abhängigkeit beginnt.
Wenn es Musik liebt – die Melodie nicht unterbrechen.
Wenn es an den Spiegel gebunden ist – den Spiegel an einem geeigneten Ort stehen lassen.
Wenn es seinem eigenen Herzen folgt – muss man das Herz verstecken.
Für Agnet gibt es kein absolut unerklärliches Monster.
Es gibt nur eine Regel, die sie noch nicht gefunden hat.
Der Einfluss des Marquis de Sade
Agnet las viel und schätzte besonders den Roman „Juliette oder die Erfolge des Lasters“.
Sie betrachtete ihn nicht nur als erregende Literatur, sondern als philosophische Rechtfertigung der persönlichen Freiheit, des Widerstands gegen die religiöse Moral und der bewussten Erforschung der eigenen Wünsche.
Irgendwann beschloss Agnet, vom Lesen zur Praxis überzugehen, und beschwor ihren eigenen Marquis aus dem Abgrund herauf.
Doch anstatt außerhalb des Schutzkreises zu bleiben, trat sie selbst in ihn hinein.
Am Morgen diente ihr das beschworene Wesen bereits wie ein Wachhund.
Diese Handlung offenbart Agnet perfekt.
Sie verstößt bewusst gegen die wichtigste Regel eines sicheren Rituals, weil sie nicht nur den Dämon, sondern auch sich selbst auf die Probe stellen will.
Es reicht ihr nicht, das Wesen zu beschwören und es durch die Schutzgrenze hindurch zu betrachten.
Agnet muss in den Kreis treten.
Sie wusste nicht, wen sie gezähmt hatte
Eine der größten Errungenschaften von Agnet besteht darin, dass sie die Herrschaft über Wesen erlangte, deren wahre Natur sie nicht kannte.
Die Verbindung des Geschlechts war unterbrochen.
Das alte Wissen ist verloren gegangen.
Es gab niemanden, der Agnet warnen konnte.
Sie gab den Wesen eigene Namen, beschrieb ihr Verhalten und fand Wege des Zusammenlebens. Erst die spätere Geschichte lässt erkennen, womit sie es tatsächlich zu tun hatte.
Die Schreck aus der Schatulle – Jester
Eines Tages kam eine Frau zu Agnet und bat sie, ein Kind zu retten, das jede Nacht von Albträumen geplagt wurde.
Im Zimmer des Mädchens fiel Agnet sofort eine Schatulle mit einem ungewöhnlichen Wesen darin auf. Sie erklärte sich bereit, das Kind von seinen nächtlichen Schrecken zu befreien – im Austausch gegen das Objekt selbst.
Die Frau übergab ihr bereitwillig die Schatulle.
Agnet nahm sie mit nach Hause, öffnete sie auf dem Dachboden und stand dem Wesen gegenüber, das sie „der Schreck“ nannte.
Das Wesen wollte Angst auslösen.
Agnet sah es einfach nur an.
Sie schrie nicht.
Sie wandte sich nicht ab.
Sie versuchte nicht, die Schatulle zu schließen.
Die Schreckgestalt verschwand.
Aber es war kein zufälliger Kinderalptraum.
Es war Jester, der sich durch die mit ihm verbundene Schatulle manifestiert hatte.
Agnet wusste nichts von dem lebenden Clown aus dem Jahr 1585.
Sie wusste nichts von der Hinrichtung.
Sie wusste nichts von der Maske und dem Albtraumhändler.
Sie wusste nichts von Benjamin.
Sie begriff nicht, dass vor ihr ein Wesen stand, das in der Lage war, eigene Welten zu erschaffen, die menschliche Persönlichkeit zu zerbrechen und die Angst zur Grundlage seines eigenen Theaters zu machen.
Sie zwang Jester zum Rückzug, ohne überhaupt zu begreifen, wen sie besiegt hatte.
In ihrem Tagebuch wirkt diese Episode fast schon alltäglich: Es genügte, zu zeigen, dass sie keine Angst hatte, und schon verschwand die Vogelscheuche.
Der technogene Geist – ein Gast der Schwarz-Weiß-Welt
Besonderes Interesse weckten bei Agnet die technogene Geister.
Sie wurden in den alten Grimoiren nicht beschrieben, da sie zusammen mit neuen Formen menschlicher Angst entstanden waren: Bildschirmen, Fernsehen, Aufzeichnungen, starkem Stress und Bildern, die vom lebenden Körper losgelöst waren.
Eines Tages fing Agnets Fernseher etwas aus dem Bereich der menschlichen Albträume ein.
Ein Wesen versuchte, aus dem Bildschirm zu kriechen und sich im Haus zu bewegen. Theoretisch hätte Agnet den Fernseher verbrennen und so den Ort der Manifestation zerstören können.
Aber ihre Neugier war geweckt.
Sie trat näher heran und stellte fest, dass die Besucherin nicht nur gefährlich, sondern auf ihre eigene Weise auch anziehend war – fast wie ein wildes Kätzchen, das in einem unverständlichen Raum lebte.
Agnet behielt den Fernseher bei sich, da sie bemerkte, dass sich das Wesen nur bei eingeschaltetem Bildschirm manifestieren konnte.
Später wird klar, dass es sich nicht einfach nur um einen Fernsehgeist handelte.
Auf dem Bildschirm zeigte sich eine Manifestation der schwarz-weißen Welt, die aus dem Apparat von Johan Weber hervorgegangen war.
Agnet wusste nichts von dem Wächter, der sein Gesicht verloren hatte.
Sie wusste nicht, wie die Projektion gelernt hatte, Menschen zu entführen.
Sie wusste nicht, dass ihre Bewohner ihre eigenen Qualen durchlebt hatten und zu Wesen mit verzerrter Logik geworden waren.
Doch sie fand das Gesetz der Manifestation und hielt das Wesen in seinem Träger fest.
Selbst die eigenständige, räuberische Welt schaffte es nicht, ihr Haus auf Anhieb einzunehmen.
Shogot
Agnet begegnete auch dem Shogot – einem räumlichen Wesen, das mit Türen, Übergängen und Fehlern zwischen den Welten verbunden ist.
Sie kannte weder seine Herkunft noch seine Verbindung zu Za’ha’dum.
Sie verstand nicht, dass Türen für den Shogot keine eigenständigen Objekte sind und dass die menschliche Vorstellung von Richtung für ihn fast nichts bedeutet.
Shogot lässt sich nicht durch gewöhnliche Befehle unterwerfen.
Er dient keinem Herrn und nimmt die Grenzen eines Besitzes nicht so wahr wie ein Mensch.
Dennoch gelang es Agnet, einen Teil seiner Regeln zu erkennen und mit ihm zu koexistieren, ohne zuzulassen, dass das Wesen das Anwesen vollständig in ein chaotisches Gewirr aus identischen Türen verwandelte.
Wahrscheinlich half ihr die Erfahrung im Umgang mit Shogot, die Funktionsweise der Übergänge besser zu verstehen und später eigene stabile Portale zu erschaffen.
Sie hat ihn nicht im herkömmlichen Sinne gezähmt.
Dort nimmt Agnet eine Portalanomalie wahr – den Shogot. Sie betritt einen Raum, in dessen Nähe es sich aufhält, und versucht, seine Natur zu verstehen.
Der Inquisitor – Henri Sanson
Den gefährlichsten Geist des Anwesens nannte Agnet den Inquisitor.
Sie kannte seinen richtigen Namen nicht.
Sie wusste nicht, dass vor ihr Henri Sanson stand – der Henker von 1585, der Peiniger Jesters, der Verfolger Marias und der Mörder des menschlichen Jack.
Für Agnet war er ein unbekanntes höllisches Wesen, das in ihr System eindrang, Geister jagte und besonders in der Stunde des Wolfes an Stärke gewann.
Selbst gewöhnliche Geister fürchteten ihn.
Er wollte kein Teil der Sammlung sein.
Er akzeptierte die Befriedigung eines Verlangens nicht als Grundlage eines Vertrags.
Er suchte keinen Platz im Haus.
Er wollte das Anwesen selbst in einen neuen Kerker verwandeln.
Agnet gelang es, ihn zu vertreiben und vorübergehend einzuschränken, obwohl ihr die Auseinandersetzung viel Kraft gekostet hatte.
Sie konnte Henri nicht endgültig vernichten, weil sie nicht wusste:
wer er zu Lebzeiten gewesen war;
welchen Pakt er geschlossen hatte;
warum er mit ihrem Geschlecht verbunden war;
warum er die Hexen dieser Familie hasste;
warum gerade Jack in der Lage war, den letzten Schlag zu versetzen.
Doch auch ohne diese Informationen hielt Agnet den Inquisitor lange genug in Schach, um eine Warnung an Chelsea vorzubereiten.
Sie hat Henri nicht vollständig besiegt.
Sie ließ nicht zu, dass er sie besiegte.
Jack
Agnet kannte Jacks ganze Geschichte nicht.
Für sie war er eine zum Leben erweckte Vogelscheuche, ein Dämon der Kerzen, ein Entweihender und ein Wächter.
Einmal ging sie einfach an der Vogelscheuche vorbei, woraufhin diese ihr bis nach Hause folgte. In der folgenden Nacht kehrte Agnet in den Garten zurück und wartete, bis er erwachte.
Sie musste keine schwierige Herausforderung meistern.
Jack hatte sich selbst entschieden, ihr zu folgen.
Der Grund dafür kam erst viel später ans Licht.
Im Jahr 1585 bat Chelsea Maria, Jack in der Nähe ihrer Familie zu behalten. Maria kam dieser Bitte nach, und selbst nach Jahrhunderten blieb in ihm eine Verbindung zum Blut der Familie bestehen.
Agnet glaubte, einen ungewöhnlichen, treuen Geist gefunden zu haben.
Tatsächlich erkannte Jack einen Nachkommen von Maria.
Sie kannte seine menschliche Geschichte nicht, nahm ihn jedoch auf und gab ihm einen Platz neben dem Haus.
So blieb das alte Versprechen weiterhin in Kraft, obwohl keiner der Beteiligten es mehr vollständig verstand.
Die höllische Sammlung
Agnets Anwesen war kein zufällig verfluchtes Haus.
Sie hatte es bewusst in eine Sammlung, ein Labor und ein System zur Haltung übernatürlicher Wesen verwandelt.
Die meisten Bewohner wurden gefunden, herbeigerufen, gerettet, gefangen, zusammen mit Gegenständen gekauft oder von anderen Orten umgeleitet.
Agnet bemühte sich, für jeden das Passende zu finden:
ein Revier;
ein Gefäß;
eine Nahrungsquelle;
eine Form der Befriedigung;
eine Einschränkung;
Bedingung, unter der es relativ sicher wurde.
Sie sperrte die Ungeheuer nicht einfach nur ein.
Sie schuf für sie ein geeignetes Umfeld.
Der gütige Onkel
Das Wesen, dessen geheimer Name „Unersättlichkeit“ war, kam von selbst.
Es versuchte, in den Raum einzudringen, getrieben von dem Wunsch, alles zu besitzen. Agnet vertrieb es nicht.
Sie zeigte, dass sie keine Angst hatte, ließ es bekommen, was es wollte, und beraubte es damit seines größten Vorteils.
Später jagte Agnet sogar gemeinsam mit ihm verängstigte Passanten und fand das Geschehen amüsant.
Anschließend ließ sie das Wesen in verschlossenen Räumen zurück, wo es existieren konnte, ohne das übrige System des Hauses zu zerstören.
Dieser Fall zeigt, dass Agnet sich nicht nur gegen dunkle Wesen verteidigte.
Manchmal übernahm sie deren Regeln und beteiligte sich mit Vergnügen an dem Spiel.
Der Marquis
Der Marquis wurde von Agnet herbeigerufen, nachdem sie die „Philosophie des Lasters“ gelesen hatte.
Sie betrat bewusst den magischen Kreis um das Wesen, das eigentlich eine Bedrohung darstellen sollte, und verließ das Ritual als dessen Herrin.
Der Marquis zeigt, wie eng in Agnets Magie intellektuelle Neugier, erotisches Verlangen und Macht miteinander verflochten sind.
Sie las nicht einfach nur über das Laster.
Sie wollte sehen, ob sie es selbst durchstehen und dabei frei bleiben könnte.
Der Wirbelwind
Der Wirbelwind, ein höllischer Sturmvogel, wurde von Agnet aus der Zeitlosigkeit herbeigerufen, um ihre Feinde zu vernichten.
Es war eine stumpfsinnige, aber unglaublich mächtige Kreatur aus den Verflechtungen des Chaos. Sie konnte nicht nur mit einem Menschen, sondern auch mit einem Geist fertigwerden.
Das Herz des Wirbelwinds befand sich in einer Schatulle und diente als Kontrollschlüssel.
Solange die Schatulle bei Agnet blieb, führte das Wesen ihren Willen aus.
Einmal, während einer Verfolgungsjagd, tobte der Wirbel so sehr, dass die Hexe ihn persönlich beruhigen musste.
Später ließ sie ihn im Garten zurück: Im Haus war es dem Wesen zu eng, und während der Brunftzeit zog es Agnet vor, eine Zeit lang nicht nach draußen zu gehen.
Selbst hier war ihre Kontrolle nicht absolut.
Sie hatte dem Wirbel nicht seine Natur genommen.
Sie hatte gelernt, diese zu berücksichtigen.
Der Geist des Grammophons
Ein Wesen hatte Agnet zusammen mit einem alten Grammophon erworben.
Es liebte Musik, wiegte sich hin und her und wartete darauf, dass sich die Menschen vor ihm fürchteten.
Agnet trat näher heran.
Als das Wesen merkte, dass keine Angst aufkam, verschwand es.
Die Hexe bemerkte, dass der Geist erst dann gefährlich wurde, wenn die Musik verstummte. Deshalb ließ sie den Plattenspieler im Keller stehen und schaltete ihn nicht unnötig aus.
Für einen anderen Menschen wäre das ein Fluch gewesen.
Für Agnet – eine weitere verständliche Regel.
Eine verirrte Seele
Ein Geist irrte lange Zeit durch den Garten, ohne zu begreifen, was mit ihm geschehen war.
Er griff Mädchen an, die sich umdrehen wollten, um zu sehen, was sich hinter ihnen befand.
Agnet beobachtete ihn eine Weile, führte ihn dann zum Tisch und half ihm, sich daran zu erinnern, wer er zu Lebzeiten gewesen war.
Nachdem ein Teil seiner Erinnerung zurückgekehrt war, wurde das Wesen weniger gefährlich – zumindest für Agnet selbst.
Außerdem gab sie ihm einen zusätzlichen Anreiz, treu zu bleiben.
Die Hexe hatte nicht einfach nur seinen Geist unterdrückt.
Sie gab ihm genug von seiner Persönlichkeit zurück, um mit ihm verhandeln zu können.
Der tote Mörder
Eine Bekannte von Agnet schickte die Seele eines längst verstorbenen Wahnsinnigen gegen sie.
Schon zu Lebzeiten war er wahnsinnig gewesen, und nach seiner Rückkehr wollte er die Hexe vor dem Mord missbrauchen.
Agnet hätte Jack oder den Wirbel beschwören können.
Stattdessen beschloss sie, abzuwarten, was passieren würde, wenn sie dem Toten seinen Wunsch erfüllte.
Danach kehrte der Geist zu der Frau zurück, die ihn beschworen hatte, und erledigte die ganze Drecksarbeit nun an ihr.
Agnet wehrte den Angriff nicht nur ab.
Sie machte die Waffe des anderen zu ihrem eigenen Boten.
Der Spionagegeist
Für eines ihrer Rituale benötigte Agnet einen spionierenden Geist.
Sie steckte ihn in eine alte Gartenfigur.
Der erste Zwerg hielt dem nicht stand und zerfiel, weshalb die Hexe den Vorgang mit einem anderen Gefäß wiederholte. Nachdem sie ihn zum Leben erweckt hatte, band sie das Wesen mit einem Wunschzauber an sich und ließ es im Garten zurück.
Selbst ein Misserfolg hielt sie nicht auf.
Wenn sich ein Gefäß als ungeeignet erwies, gab Agnet ihr Vorhaben nicht auf.
Sie nahm einfach den nächsten.
Die Frau im Spiegel
Diese Frau hatte zu Lebzeiten Hunderte von Bauern gequält. Nach ihrer Hinrichtung weigerte sich ihre Seele zu scheiden und blieb im Spiegel gefangen, an dem sie sich mit all ihrem aufgestauten Hass festklammerte.
Nach ihrem Tod setzte sich die Verbrechensserie fort: Opfer wurden junge Mädchen, die zufällig in das Spiegelbild blickten.
Agnet zeichnete für den Geist eine Treppe in die Welt der Menschen, nahm Kontakt zu ihm auf und hängte den Spiegel an die Wand, während sie auf den richtigen Moment wartete.
Sie hielt die Vernichtung nicht für die einzig richtige Antwort.
Selbst für eine grausame Seele lässt sich eine Verwendung finden, wenn man ihr Wesen versteht und Regeln festlegt.
Agnets wahre Kraft
Agnet wusste nicht, dass der Vogelscheuche Jester war.
Sie wusste nicht, dass die Fernsehgästin aus der Schwarz-Weiß-Welt kam.
Sie verstand die wahre Natur von Shogot nicht.
Sie kannte den menschlichen Namen des Inquisitors nicht.
Sie wusste nicht, warum Jack gerade ihr gefolgt war.
Und doch gelang es ihr:
Jester zum Rückzug zu zwingen;
die Manifestation der Schwarz-Weiß-Welt im Fernseher einzudämmen;
mit dem räumlichen Wesen zu koexistieren;
Henri zu vertreiben;
Jack aufzunehmen und ihn in der Nähe ihres Clans zu behalten;
eine Vielzahl gefährlicher Wesen zu einem relativ stabilen System zu vereinen.
Genau das unterscheidet Agnet von den meisten Magiern und Forschern.
Weber braucht einen Mechanismus.
Henri braucht Angst und offizielle Macht.
Der Albtraumhändler braucht Geschäfte, Artefakte und geeignete Träger.
Agnet dringt selbst in das Wesen ein.
Sie weiß nicht immer, was vor ihr liegt.
Aber sie weiß fast immer, wie sie darüber sprechen muss.
Moral und Grenzen
Agnet ist in der Lage, Menschen zu helfen.
Sie hat ein Kind vor Albträumen bewahrt.
Sie hat gefährliche Wesen in Schach gehalten.
Sie hinterließ Chelsea Warnungen.
Sie hat versucht, ihre Nichte aus der Welt Jesters zu befreien.
Sie hat die Hexengabe ihrer Familie bewahrt.
Aber man kann sie nicht als gute Hexe im herkömmlichen Sinne bezeichnen.
Sie konnte gemeinsam mit „Unersättlichkeit“ Jagd auf verängstigte Menschen machen.
Sie schickte den toten Mörder zurück zu ihrer eigenen Freundin.
Aus Neugierde bewahrte sie gefährliche Geister auf.
Sie betrachtete körperliche und psychische Risiken als akzeptablen Teil des Experiments.
Sie schickte Chelsea nach Hause, ohne ihr die ganze Wahrheit zu verraten.
Agnet lässt sich nicht von traditionellen Moralvorstellungen leiten.
Sie interessiert sich für andere Fragen:
Gab es eine Wahl?
Hat der Mensch die Regel verstanden?
Hat er sich der Angst ergeben?
Hat er den Preis akzeptiert?
Hat er es geschafft, sich neben seinem Verlangen zu behaupten?
Ihre Grausamkeit unterscheidet sich von Henris Sadismus.
Henri will sein Opfer erniedrigen und brechen.
Agnet will sehen, zu wem ein Mensch wird, wenn er mit echter Angst oder echtem Verlangen konfrontiert wird.
Doch für jemanden, der ihre Prüfung nicht durchgestanden hat, mag dieser Unterschied unerheblich sein.
Das Anwesen
Kein verfluchtes Haus
Agnets Anwesen wirkt oft wie ein Ort, an dem sich Dämonen und Geister zufällig versammelt haben.
Tatsächlich handelte es sich jedoch um ein sorgfältig organisiertes Ökosystem.
Jedes Wesen verfügte über:
ein Revier;
ein Ankerobjekt;
eine Erscheinungsbedingung;
eine Beruhigungsmethode;
eine Regel für die Vertreibung;
eigene Form des Verlangens.
Solange Agnet im Haus war, blieb das System stabil.
Nach ihrem Verschwinden wurde deutlich, wie viel persönlich von ihr abhing.
Der Zauber begann nachzulassen.
Die Geister änderten ihr Verhalten.
Der Inquisitor – zurückzukehren.
Die Gegenstände – ohne Erlaubnis Durchgänge zu öffnen.
Agnet hatte ein System geschaffen, das funktionierte, solange die Herrin in der Nähe war.
Aber sie hatte es nicht geschafft, es vollständig autonom zu machen.
Die Stunde des Wolfes
Besonders gefährlich wurde die Stunde des Wolfes.
In diesem Moment wurden die Grenzen zwischen den Welten dünner, und die von Agnet auferlegten Beschränkungen verloren vorübergehend ihre Wirkung.
Die gezähmten Wesen konnten wieder auf die Jagd gehen.
Der Inquisitor verließ seine Klause.
Selbst die relativ harmlosen Geister hielten sich nicht mehr an die bisherigen Vereinbarungen.
Agnet warnte Chelsea: Sollte sie beschließen, den Geistern gegenüber nicht freundlich zu sein, sollte sie sich in der Stunde des Wolfes besser nicht in ihrer Nähe aufhalten.
Sie bezeichnete den Inquisitor zudem als das einzige Wesen, vor dem die Erbin sich wirklich fürchten sollte.
Die Schöpferin der Portale
Agnets Einfluss reichte weit über die Grenzen des Hauses hinaus.
Sie hatte gelernt, stabile Durchgänge zwischen den Welten zu erschaffen, und verwandelte das Anwesen in einen der wichtigsten Knotenpunkte des übernatürlichen Netzwerks.
Ihr Wirken war einer der Faktoren, die die sublunare Welt erweckten.
Bis zum Entstehen neuer Übergänge existierten viele tote Götter und erstarrte Wesen darin fast regungslos, wie in einem Nebel.
Agnet erschloss die ersten Wege.
Später begannen Chelsea und Melissa, dieses System noch stärker zu nähren.
Daher kann das Anwesen nicht einfach als Spukhaus betrachtet werden.
Es ist ein von einer Hexe geschaffenes System ohne Mechanismen:
ein Labor;
eine Sammlung;
ein Zufluchtsort;
eine Falle;
Portal;
Energiequelle für andere Welten.
Agnet öffnete die Türen.
Andere Wesen lernten nach und nach, sie ohne ihre Erlaubnis zu benutzen.
Das Testament
Das aufgeschobene Erbe
Vor ihrem Verschwinden verfasste Agnet ein ungewöhnliches Testament.
Chelsea musste volljährig werden, am 31. Oktober auf dem Anwesen eintreffen, dort die Nacht ganz allein verbringen und kein Handy, Tablet oder andere persönliche Geräte mitnehmen.
Um sechs Uhr morgens galt die Bedingung als erfüllt.
Danach erhielt Chelsea:
das Anwesen;
Zugang zu Bankkonten im Wert von etwa zehn Millionen Dollar;
magisches Wissen;
die Möglichkeit, die neue Herrin der höllischen Sammlung zu werden;
die Gabe einer Hexe.
Agnet war klar, dass sie ihre Nichte nicht einfach mit einer gewöhnlichen Bitte davon überzeugen konnte, die Nacht in dem verlassenen Haus zu verbringen, und so setzte sie Geld als Lockmittel ein.
Sie gibt offen zu, dass sie Chelsea sonst nicht dazu hätte bewegen können, mitzukommen.
Das Erbe als Initiation
Der wahre Wert des Testaments lag nicht in der Immobilie.
Agnet hatte den Zauber außerhalb der materiellen Welt versteckt und ihn unter den Geistern aufgeteilt.
Um die Formel zusammenzustellen, musste Chelsea sich mit den Bewohnern des Hauses treffen, ihre Wünsche verstehen und entscheiden, wie sie mit ihnen umgehen sollte.
Die Hexe riet ihr, keine Angst zu haben und freundlich zu sein. Dafür könnten die Geister Teile des Zaubers preisgeben.
So sollte Chelsea nicht nur die rechtmäßige Eigentümerin des Anwesens werden, sondern auch die neue Hüterin der Sammlung.
Das ist eine moderne Form einer alten familiären Einweihung.
Die Frau in Weiß kam persönlich zu Agnet.
Agnet machte das ganze Haus zu ihrer Lehrmeisterin.
Jedes Zimmer vermittelte eine Lektion.
Jeder Geist prüfte einen bestimmten Charakterzug.
Jede Entscheidung zeigte, zu welcher Hexe Chelsea werden würde.
Das Recht auf Ablehnung
Trotz der Manipulation des Erbes lässt Agnet Chelsea die Wahl.
Sie kann hinter dem Tor stehen bleiben.
Sie kann auf die Sammlung verzichten.
Sie kann die Geister vertreiben.
Sie kann versuchen, sie zu zähmen.
Sie kann den Weg des Genusses einschlagen.
Sie kann überhaupt nicht zu einer Hexe werden, wie es Agnet war.
Das ist eine wichtige Grenze zwischen Agnet und Duke Weber oder Henri.
Sie schafft gefährliche Umstände und hält nicht alle Informationen zurück, erkennt aber das Recht der Erbin an, „Nein“ zu sagen.
Das Problem ist nur, dass Chelsea das wahre Ausmaß der Konsequenzen nicht kennt.
Eine Wahl gibt es.
Ein vollständiges Verständnis des Preises – nein.
Warum Chelsea?
Es wird nicht genau erklärt, warum Agnet ausgerechnet Chelsea und nicht Melissa als erste Erbin ausgewählt hat.
Vielleicht war Chelsea die Ältere.
Möglicherweise zeigte sich die Gabe bei ihr stärker.
Vielleicht erkannte Agnet in ihr eigene Züge: Neugier, Sinnlichkeit, die Neigung, dorthin zu gehen, wo man nicht hingehen sollte, und die Fähigkeit, sich in der Nähe des Monströsen nicht selbst zu verlieren.
Aber sie hatte sich im Potenzial ihrer Nichte nicht getäuscht.
Chelsea schaffte es:
die Nacht auf dem Anwesen zu überstehen;
mit den Geistern zu interagieren;
das Puppenhaus zu durchqueren;
aus der Hölle Jesters zu entkommen;
ins Jahr 1585 zurückzukehren;
Maria zu treffen;
dabei helfen, das Wissen des Geschlechts wiederherzustellen;
die Zeitschleife zu schließen;
zu lernen, wie man Durchgänge öffnet und schließt.
Agnet hat ihr Erbe nicht einfach nur einer geeigneten Person hinterlassen.
Sie hat eine Frau vorbereitet, die in der Lage ist, die Arbeit auf einem deutlich höheren Niveau fortzusetzen.
Jack und Agnet
Agnet nutzte Jacks Fähigkeiten auf praktische Weise.
Er war ein Wächter, ein Krieger und ein Wesen, das Aufgaben erfüllen konnte, die einem gewöhnlichen Menschen unzugänglich waren.
Dennoch behandelte sie ihn nicht wie ein Wegwerfwerkzeug.
Sie kannte zwar nicht seine ganze Geschichte, sah in ihm aber eine eigenständige Persönlichkeit.
Später erkannte Agnet:
erkennt die Tragweite seines Weges;
stärkt ihn;
vertraut ihm die Rettung von Chelsea an;
versucht, einen Ausweg aus dem Versprechen an Haron zu finden;
bezeichnet ihn als den besten Wächter;
ist bereit, den Weg gemeinsam mit ihm fortzusetzen;
akzeptiert Liliths Anwesenheit, obwohl sie ihr gegenüber misstrauisch ist.
Ihre Haltung gegenüber Jack ist nicht besonders zärtlich oder romantisch.
Agnet drückt Zuneigung generell selten direkt aus.
Doch für sie ist es eine der höchsten Formen des Respekts, einem Wesen ihr eigenes Schicksal und das Schicksal ihres Geschlechts anzuvertrauen.
Das Verschwinden
Für die Welt der Menschen ist Agnet etwa ein Jahr vor Beginn der ersten Geschichte verschwunden.
Chelsea hielt sie für tot.
Doch die Seele der Hexe hatte die Welt nicht endgültig verlassen.
Agnet befand sich in der Zwischenwelt – einem Raum, der von Rissen anderer Realitäten durchzogen ist. Dorthin können Wesen aus der Hölle, der sublunaren Welt, der Welt der Menschen und einer Vielzahl anderer Spiegelwelten hinabfallen.
Im Zwischenwelt existierte Agnet als Geist.
Allein konnte sie nicht zurückkehren.
Für ihre vollständige Befreiung waren ihr eigenes Blut und vier Obelisken-Schlüssel erforderlich.
Die sichere Welt der Träume
Agnet irrte nicht ungeschützt durch die Zwischenwelt.
Sie befand sich in einem relativ sicheren Gebiet – ihrer eigenen Traumwelt, umgeben von Spiegelbildern der Hölle.
Dieser Bereich war zugleich Zufluchtsort und Gefängnis.
Solange Agnet darin blieb, konnte Baphomet sie nicht einfach mitnehmen.
Aber würde sie hinausgehen, hätte er sofort die Möglichkeit, die Hexe zu ergreifen.
Deshalb verließ Agnet diesen geschützten Ort nicht.
Nicht aus Feigheit.
Nicht aus Hilflosigkeit.
Sie schätzte den Gegner richtig ein.
Agnet wusste, dass ein einziger Fehltritt Baphomet genau das geben würde, was er wollte.
Deshalb handelte sie über Jack: Sie rief ihn herbei, erklärte ihm die Aufgabe, stärkte und leitete ihn an, während sie selbst im sicheren Bereich blieb.
Das war die disziplinierte Verteidigung einer erfahrenen Hexe.
Warum Baphomet Agnet wollte
Baphomet zeigte besonderes Interesse an ihr.
Der Grund lag nicht nur in Agnet’ Schönheit oder erotischer Ausstrahlung, obwohl ihre Sinnlichkeit, Lebensenergie und Macht über die Begierden die Hexe zweifellos zu einer besonders attraktiven Beute machten.
Agnet besaß eine seltene Fähigkeit:
sie konnte Wesen zähmen, die sie nicht verstand.
Eine solche Hexe war für Baphomet zugleich:
eine begehrte Gefangene;
eine Kraftquelle;
Schlüssel zur Welt der Menschen;
Herrin des Portalsystems;
eine mögliche Führerin;
Bedrohung für seine Macht;
dem Beweis dafür, dass der Mensch in der Lage ist, höllische Wesen zu unterwerfen, ohne sie anzubeten.
Baphomet brauchte nicht einfach nur eine weitere Hexe.
Er brauchte eine Frau, die einen Raum mit einem unbekannten Ungeheuer betreten und als Herrin der Lage wieder herauskommen konnte.
Die Versuchung von Jack
Da es ihm nicht gelang, Agnet direkt zu erobern, versuchte Baphomet, Jack dazu zu bringen, sie zu verraten.
Er behauptete, dass Hexen den Dämon der Kerzen benutzten:
Agnet hielt ihn im Garten wie eine Vogelscheuche fest.
Chelsea zwang ihn, die Arbeit anderer zu erledigen.
Niemand hatte vor, ihm seine menschliche Gestalt zurückzugeben.
Im Austausch gegen die Arkana versprach Baphomet, Jack in die Welt der Menschen zurückzubringen und ihn wieder zum Menschen zu machen.
Das Angebot war sehr treffend gewählt.
In Jack war tatsächlich noch der Wunsch vorhanden, seinen früheren Körper wiederzuerlangen.
Doch Baphomet täuschte ihn.
Er brauchte die Arkana, um Agnets Schutz zu durchbrechen, den Weg in ihre Traumwelt zu öffnen und die Hexe zu erlangen.
Die versprochene Menschlichkeit war nur ein Köder.
Hätte Jack zugestimmt, wäre der Handel keineswegs zu der Rettung geworden, die man ihm versprochen hatte. Die Unterlagen weisen eindeutig darauf hin, dass Baphomet versucht, die Arkana an sich zu bringen, und dass eine Ablehnung dazu führt, dass man ihn finden und vernichten muss, um an die letzte Karte zu gelangen.
Jack lehnte ab.
Er entschied sich dafür, Chelsea und Agnet zu retten, anstatt seinen eigenen Körper zu retten.
Neun Arkana
Um den Weg in das höllische Universum Jesters zu öffnen, benötigte Agnet die neun Arkana.
Sie waren über verschiedene Verzerrungen der Zwischenwelt verstreut und mit Wesen, Prüfungen und Verträgen verbunden.
Agnet selbst konnte sie nicht sammeln, ohne die sichere Welt der Träume zu verlassen.
Deshalb rief sie Jack herbei.
Die Arkana waren keine gewöhnlichen Schlüssel.
Um sie zu erhalten, musste Jack:
kämpfen;
gefangene Seelen befreien;
Verträge ablehnen;
Verträge abschließen;
die Spiegelbilder der Welten zu erforschen;
durch Za’ha’dum zu gehen;
sich Baphomet entgegenzustellen.
Dies führte die Philosophie von Agnet fort.
Die Kraft darf nicht als fertiges Objekt auf dem Tisch liegen.
Um sie zu erlangen, muss man die Welt verstehen, mit der sie verbunden ist.
Die Rettung von Chelsea und die Befreiung von Agnet
Agnets Plan war kein hinterhältiger Handel.
Sie hatte nicht vor, Chelsea als Wegwerf-Schlüssel für ihre eigene Befreiung zu benutzen.
Die Situation war logisch und für beide Seiten vorteilhaft.
Chelsea befand sich in der Gefangenschaft des höllischen Universums Jesters.
Agnet war in einem gesicherten Bereich der Zwischenwelt eingesperrt.
Jack konnte die Arkana versammeln und den Weg zu seiner Nichte ebnen.
Die gerettete Chelsea, die ihr eigenes Blut in sich trug, konnte Agnet selbst helfen, ihre Gefangenschaft zu verlassen.
Im Ergebnis gewannen alle:
Chelsea wurde von Jester befreit;
Agnet kehrte aus der Zwischenwelt zurück;
Jack erfüllte eine alte Verpflichtung gegenüber seinem Geschlecht;
Baphomet verlor seine begehrte Gefangene;
die Familie knüpfte ihre Verbindung wieder;
Jesters Weg geriet ins Wanken.
Agnet hatte Jack vor allem deshalb herbeigerufen, weil sie Chelsea retten wollte.
Ihre eigene Befreiung war der logische nächste Schritt.
Sie rettete ihre Nichte.
Ihre Nichte konnte sie retten.
Das ist keine Manipulation.
Es ist eine Familie, die durch mehrere Welten getrennt ist und endlich die Möglichkeit erhalten hat, sich gegenseitig zu helfen.
In den Unterlagen werden zwei Ergebnisse klar voneinander getrennt: Jack kann die Arkana sammeln und den Weg zu Chelsea ebnen, und wenn er die Obelisken-Schlüssel findet, kann er zusätzlich Agnet befreien.
Gefangene, aber kein Opfer
Selbst als sie in der Zwischenwelt gefangen war, fungierte Agnet weiterhin als Organisatorin.
Sie:
sicherte den geschützten Bereich;
beobachtete Jacks Bewegungen;
verstand die Funktionsweise der örtlichen Verzerrungen;
kannte die Rolle von Za’ha’dum;
stärkte ihren Wächter;
bemerkte gefangene Seelen;
sammelte Wissen;
bereitete den Weg nach Chelsea vor;
suchte nach einem Weg zurück;
widersetzte sich Baphomet.
Agnet mochte eine Gefangene des Raums sein.
Doch sie schlüpfte niemals in die Rolle einer hilflosen Frau, die auf die Entscheidung eines anderen wartete.
Selbst aus dem Gefängnis heraus schmiedete sie weiter Pläne.
Agnets Fehler
Agnet ist außerordentlich stark, aber nicht unfehlbar.
Sie hat die Stabilität des Anwesens überschätzt
Solange die Hexe im Haus war, blieb ihre Sammlung in Ordnung.
Nach ihrem Verschwinden wurde klar, dass zu vieles allein von ihrer Macht abhing.
Sie hatte es nicht geschafft, ein vollständig autonomes System zu schaffen.
Sie hat Henri unterschätzt.
Agnet konnte den Inquisitor zwar vertreiben, hatte jedoch weder seine wahre Geschichte aufgedeckt noch ihn endgültig vernichtet.
Sie hinterließ Chelsea eine Warnung, doch der äußerst gefährliche Geist existierte weiterhin.
Sie vertraute ihr Testament Duke Weber an
Duke erhielt Zugang zu den Dokumenten, dem Erbe und dem Anwesen.
Später versuchte er, sich die Sammlung anzueignen und das Haus in seine eigene Festung zu verwandeln.
Agnet verstand zwar die Dämonen, doch das menschliche Rechtssystem erwies sich als Schwachstelle.
Sie betrachtete das Verlangen als einen fast universellen Schlüssel
Bei vielen Wesen funktionierte ihre Methode.
Doch nicht jedes Wesen lässt sich durch die Befriedigung seiner Natur unschädlich machen.
Und nicht jeder Mensch ist in der Lage, eine solche Interaktion ohne schwerwiegende Folgen zu überstehen.
Neugier ist oft stärker als Vorsicht
Agnet behält das gefährliche Wesen, weil es interessant ist.
Sie zerstört den Fernseher nicht.
Sie lässt den Spiegel stehen.
Sie nimmt die Schatulle mit.
Betritt den Kreis.
Sie erkundet das Portal.
Diese Eigenschaft machte sie zu einer großen Hexe.
Wahrscheinlich war es auch diese Eigenschaft, die Agnet einst in die Zwischenwelt geführt hat.
Agnet und Chelsea
Agnet und Chelsea sind sich ähnlicher, als es den Anschein hat.
Beide:
mögen es nicht, sich fremden Regeln zu unterwerfen;
gehen dorthin, wohin man ihnen geraten hat, nicht zu gehen;
betrachten Angst als Hindernis;
nutzen ihren Wunsch, um mit Wesen zu kommunizieren;
sind in der Lage, sich mit Ungeheuern zu verständigen;
ziehen die Aufmerksamkeit anderer Welten auf sich;
halten körperliche Lust nicht für etwas Schändliches;
können ihre eigene Sinnlichkeit in eine Kraftquelle verwandeln.
Doch zwischen ihnen gibt es einen wichtigen Unterschied.
Agnet hat bereits eine Weltanschauung entwickelt und zweifelt kaum noch daran.
Chelsea ist noch auf der Suche.
Sie kann den Geist zähmen, vertreiben, ihm helfen, ihn täuschen, ihn unterwerfen oder sich von ihm abwenden.
Agnet wollte ihr ihren eigenen Weg weitergeben.
Doch Chelsea ist in der Lage, nicht nur eine Fortsetzung zu sein, sondern auch die Fehler ihrer Tante zu korrigieren.
Agnet und Maria
Maria ist eine entfernte Vorfahrin von Agnet, doch ihre Verbindung geht weit über eine gewöhnliche Verwandtschaft hinaus.
Beide haben den Bruch in der Weitergabe der Gabe erlebt.
Maria erhielt nur einen Teil des Wissens.
Agnet wusste überhaupt nichts von der Existenz dieser Familientradition.
Beiden half Chelsea – nur in entgegengesetzten Zeitrichtungen.
Agnet gab die Gabe an Chelsea weiter.
Chelsea kehrte in die Vergangenheit zurück und half Maria.
Maria sorgte dafür, dass Jack bei ihrer Familie blieb.
Jack fand Agnet Jahrhunderte später.
Jede der drei Frauen rettete einen Teil des Erbes, der zu ihrer eigenen Zeit noch nicht existierte.
Agnet und Melissa
Melissa war nicht die erste Erbin, wurde aber dennoch in die Folgen von Agnets Handeln hineingezogen.
Nach Chelseas Verschwinden setzte sie die Suche fort, betrat Jesters Theatermuseum und gelangte zum Anwesen.
Später restaurierten die Schwestern das Haus, wie es ihre Tante gewünscht hatte, und begannen, nach Agnet selbst zu suchen.
Während Chelsea die übersinnliche Fähigkeit geerbt hat, direkt mit Geistern zu interagieren, versucht Melissa häufiger, die Regeln zu verstehen, den Raum zu erkunden und einen sicheren Ausweg zu finden.
Agnet hatte eine Haupt-Erbin ausgewählt.
Doch ihre Arbeit weckte letztendlich beide Schwestern.
Fähigkeiten
Die vererbte Gabe
Agnet spürt die Anwesenheit von Geistern, magischen Gegenständen und den Grenzen anderer Welten.
Beschwörung von Wesen
Sie ist in der Lage, Wesen aus der Hölle, aus der Zeitlosigkeit und aus anderen Dimensionen zu beschwören.
Zähmung durch Wunsch
Agnet stellt eine Verbindung zu einem Wesen her, indem sie dessen grundlegendes Bedürfnis befriedigt, umlenkt oder auf sich nimmt.
Erotische Magie
Sie nutzt körperliche Nähe, Erregung und Lust als Form des Kontakts, des Austauschs von Kraft und der Herstellung von Kontrolle.
Unterwerfung durch den wahren Namen
Die Hexe versteht die Bedeutung geheimer Namen und ist in der Lage, diese als Grundlage ihrer Macht zu nutzen.
Erschaffung von Ankern
Das Herz des Wirbelwinds, ein Spiegel, eine Schatulle, ein Fernseher, ein Plattenspieler und andere Gegenstände werden zu Gefäßen oder Begrenzern für Wesenheiten.
Das Öffnen von Portalen
Agnet erschafft stabile Durchgänge und verwandelt das Anwesen in einen Knotenpunkt zwischen den Welten.
Traummagie
Sie interagiert mit Wesenheiten im Traum und ist in der Lage, einen geschützten Raum ihres eigenen Bewusstseins in der Zwischenwelt zu erschaffen.
Verbergen außerhalb der materiellen Welt
Agnet hat Teile des Zaubers so versteckt, dass ein gewöhnlicher Mensch sie nicht einfach finden oder stehlen kann.
Kontrollzauber
Sie schränkt die Aktivitäten von Geistern ein und bindet sie an Gegenstände, Orte und bestimmte Bedingungen.
Arbeit mit Seelen
Agnet sieht gefangene Seelen, versteht, wie man sie befreien kann, und nutzt das Blut ihrer Vorfahren als Grundlage für die Rückkehr aus der Zwischenwelt.
Erhaltung der Jugend
Ihre Verbindung zu Geistern und anderen Welten ermöglicht es ihr, den normalen Alterungsprozess erheblich zu verlangsamen.
Einschränkungen
Ihre Macht ist persönlich
Viele Geister unterwerfen sich nicht einem abstrakten Siegel, sondern Agnet selbst.
Nach dem Verschwinden ihrer Herrin schwächt sich das System ab.
Die Zauber verlieren in der Stunde des Wolfes ihre Kraft
In dem Moment, in dem die Grenzen schwächer werden, können sich die Geister von ihren Beschränkungen befreien.
Nicht jedes Wesen lässt sich zähmen
Henri erwies sich als zu gefährlich, um ihn vollständig zu kontrollieren.
Auch Baphomet lag außerhalb ihrer üblichen Methoden.
Sie ist an die Regeln des Blutes gebunden
Selbst eine mächtige Hexe kann die Zwischenwelt nicht aus eigener Kraft verlassen. Für ihre Rückkehr benötigt sie eine Blutsverwandtschaft.
Ihre Neugier macht sie verwundbar
Agnet bewahrt Bedrohungen oft auf, anstatt sie zu vernichten.
Ein Wunsch bedeutet nicht immer Zustimmung
Ihre Methode basiert darauf, verborgene Wünsche aufzudecken, doch ein Mensch kann Vergnügen empfinden und dennoch nicht Teil eines fremden Systems werden wollen.
Diese Grenze versteht Chelsea besser.
Verbindungen und Bedeutung
Agnet verkörpert die Macht über das Monströse, indem sie dessen Natur akzeptiert.
Henri erklärt das Verlangen zur Sünde und vernichtet Menschen dafür.
Die Webers verwandeln das Übernatürliche in einen Mechanismus.
Jester macht aus den Begierden anderer ein Spektakel.
Gretta macht sie zu ihrem Eigentum.
Agnet stellt eine Sammlung zusammen.
Doch ihre Sammlung besteht nicht aus toten Exponaten.
Die Geister leben weiter, sehnen sich, jagen, streiten und geraten manchmal außer Kontrolle.
Sie zerstört ihre Natur nicht.
Sie bettet sie in ein System ein.
Das Anwesen ist ein Spiegelbild von Agnet selbst:
schön;
sinnlich;
gefährlich;
voller verschlossener Räume;
fähig, ein Ungeheuer zu beherbergen;
überzeugt davon, dass es für jeden Schrecken einen passenden Ort gibt.



