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Puppenmeisterin

Die Puppenmeisterin verspricht, den Menschen vom Schmerz der Entscheidung zu befreien. Der Preis für diese zärtliche, fast mütterliche Fürsorge ist das Recht, für immer aufzuhören, sich selbst zu gehören.

The Witch Chronicles
MENSCHLICHER NAME Gretta
NATUR Wiedergeborenes Wesen der sublunaren Welt
REICH Puppenhaus
HAUPTKRAFT Das Lesen von Träumen, die Verwandlung von Körper und Bewusstsein in die Rolle einer Puppe

Die Puppenmeisterin verspricht, den Menschen vom Schmerz der Entscheidung zu befreien. Der Preis für diese zärtliche, fast mütterliche Fürsorge ist das Recht, für immer aufzuhören, sich selbst zu gehören.

Menschlicher Name: Gretta
Andere Bezeichnungen: Puppenmeisterin, Mutter der Puppen, Herrin des Puppenhauses
Ursprüngliche Natur: Mensch
Aktuelle Natur: wiedergeborenes Wesen der sublunaren Welt
Hauptdomäne: Das Puppenhaus
Erste bekannte Puppe: Janet
Bekannte Verbündete: der Albtraumhändler, Jester und der Schlüsselwärter
Hauptkraftquelle: die Seelenzeit
Hauptfähigkeit: die Verwandlung menschlicher Wünsche in neue Körper, Rollen und Existenzformen
Gefahrenstufe: extrem hoch
Hauptmerkmal: Sie betrachtet die Verwandlung eines Menschen nicht als Gewalt – für sie ist es die Korrektur einer unvollkommenen Form

Allgemeine Beschreibung

Die Puppenmeisterin ist eines der gefährlichsten Wesen, die mit Chelsea und der sublunaren Welt in Verbindung stehen.

Einst war sie eine ganz normale Frau namens Gretta. Sie arbeitete als Buchhalterin, lebte in ihrem eigenen Haus, war mit Nick verheiratet und beschäftigte die Haushälterin Janet. In ihrem Leben gab es weder uralte Magie noch ein Hexenerbe noch den offenen Wunsch, ein Monster zu werden.

Das änderte sich mit dem Erscheinen des Puppenhauses.

Ein kleines Spielzeug tauchte ohne Erklärung in der Eingangshalle auf. Zunächst hielt Gretta es für ein seltsames Geschenk oder einen Streich ihres Mannes. Doch schon bald beherrschte das Haus ihre Gedanken und zeigte der Frau ihre neue Bestimmung: die geheimen Wünsche anderer zu entdecken, ihnen eine greifbare Form zu geben und die Menschen für immer in der für sie geschaffenen Welt anzusiedeln.

Die erste Puppe war Janet.

Später wurde Gretta in eine psychiatrische Klinik eingewiesen, wo sie Benjamin, Mark und den Albtraumhändler traf. Mit seiner Hilfe erhielt sie die Seelenzeit, durchquerte das Feuer in die sublunare Welt und hörte endgültig auf, ein Mensch zu sein.

Nun sammelt die Puppenmeisterin nicht mehr nur Körper.

Sie sammelt Menschen, die auf einen einzigen Wunsch reduziert sind.

Jede ihrer Puppen erhält eine schöne Gestalt, ein passendes Zimmer und eine Rolle, aus der es kein Entkommen mehr gibt.

Gretta vor ihrer Verwandlung

Vor dem Erscheinen des Puppenhauses war Grettas Leben ruhig und gut geregelt.

Sie arbeitete als Buchhalterin in einer kleinen Firma. Die Arbeit erforderte keine übermäßigen Anstrengungen und brachte genug Geld ein, um das Haus zu unterhalten und Hausangestellte einzustellen. Gretta war mit Nick verheiratet, traf sich mit Freunden und führte ein äußerlich ganz normales Leben.

Später beschrieb sie ihr Leben als einen Teufelskreis:

Zuhause. Arbeit. Treffen mit Freunden.

In diesem Bekenntnis gibt es keinen direkten Hinweis auf tiefes Unglück. Gretta litt nicht Hunger, wurde nicht verfolgt und war nicht von der Gesellschaft ausgegrenzt. Doch ihr Leben bestand aus einer endlosen Wiederholung von Handlungen, die ihr kein Gefühl eines wirklichen Ziels vermittelten.

Die Arbeit als Buchhalterin hatte sie an eine Welt gewöhnt, in der alles erfasst sein und an seinem Platz sein musste.

Zahlen ließen einen nicht im Stich.

Dokumente änderten nichts an ihren Wünschen.

Ein Eintrag im Buch konnte nicht plötzlich beschließen, dass er seinem Besitzer nicht mehr gehörte.

Menschen waren wesentlich komplizierter.

Sie verbargen Gefühle, änderten ihre Entscheidungen, brachen Versprechen und schmiedeten hinter dem Rücken der anderen Pläne. Gretta hatte das noch nicht ganz verstanden, besaß aber bereits einen Charakter, dem es leichter fiel, ein gut geordnetes System zu akzeptieren als die Freiheit eines lebenden Menschen.

Das Puppenhaus hatte diesen Charakterzug nicht hervorgebracht.

Es hat sie gefunden.

Das Erscheinen des Puppenhauses

Eines Morgens entdeckte Gretta auf der Kommode im Flur ein kleines Puppenhaus.

Niemand wusste, wie es dorthin gekommen war.

Das Dienstmädchen Janet konnte sich das nicht erklären. Nick war zu diesem Zeitpunkt auf Geschäftsreise, und Gretta vermutete, dass ihr Mann jemanden dazu angestiftet haben könnte, ihr einen ungewöhnlichen Streich zu spielen. Sie hatte sich schon lange ein neues Haus gewünscht, daher könnte das Spielzeug ein Hinweis oder eine Anspielung auf ihren Wunsch sein.

Am Abend kam Gretta von der Arbeit zurück und schenkte dem Fund kaum Beachtung.

Doch die Wirkung hatte bereits eingesetzt.

Später behauptete sie, dass sie an jenem Abend aufgehört habe, sie selbst zu sein. Etwas hatte von ihrem Verstand Besitz ergriffen, ihre Wahrnehmung der Welt verändert und sie von ihrem bisherigen Dasein befreit.

Sie hatte nun ein Ziel:

dem Puppenhaus zu dienen und es zu beschützen.

Das Haus sprach nicht mit ihrer gewohnten Stimme zu ihr. Es wirkte durch plötzliche Gedanken, Bilder, Wünsche und Gegenstände, die ihr zuvor unbedeutend erschienen waren.

Gretta begann, Verstecke zu entdecken.

Zu hören, worüber die Menschen schwiegen.

Sie erkannte den Zusammenhang zwischen persönlichen Gegenständen und den verborgenen Wünschen ihrer Besitzer.

Das Puppenhaus lehrte sie, Traumfetzen zu sammeln – emotionale Spuren, aus denen man die wahren Wünsche eines Menschen rekonstruieren und eine neue Gestalt für ihn erschaffen kann.

Traumfetzen

Ein Traumfetzen muss nicht unbedingt ein magischer Gegenstand sein.

Auch ein ganz gewöhnlicher Gegenstand kann dazu werden, wenn ein starkes Gefühl damit verbunden ist:

ein Brief;

ein Foto;

verstecktes Geld;

Kleidung;

ein Schlüssel;

Tagebuch;

Geschenk;

etwas Peinliches;

Beweis für Untreue;

ein Gegenstand, der in einer geheimen Fantasie verwendet wurde.

Jedes dieser Objekte enthält einen Teil des Menschen, den er seiner Umgebung nicht zeigt.

Für sich genommen beweisen diese Teile nichts. Doch wenn die Puppenmeisterin sie zusammenfügt, offenbart sich ihr eine verborgene Geschichte.

Das Problem ist, dass Gretta nicht danach strebt, den Menschen als Ganzes zu verstehen.

Sie wählt einen Traum, eine Schwäche oder ein Verlangen aus und erklärt genau diesen zum wahren Wesen des Besitzers.

Danach kann alles andere verworfen werden.

Zweifel werden zu Lügen.

Widerstand – zur Angst vor sich selbst.

Der Versuch zu fliehen – ein Beweis dafür, dass die zukünftige Puppe noch nicht bereit ist, ihr Glück anzuerkennen.

So funktioniert Grettas wichtigste Rechtfertigung:

Sie verändert Menschen nicht gegen ihren Willen. Sie zeigt ihnen angeblich, was sie schon immer wollten.

Tatsächlich bleibt das Recht auf Interpretation immer bei ihr.

Janet

Janet war Grettas Zimmermädchen und die erste bekannte Puppe.

Zunächst hielt ihre Herrin sie für eine nicht besonders kluge, aber harmlose Dienstmagd. Nach dem Erwachen des Puppenhauses begann Gretta, nach den fünf Fragmenten ihres Traums zu suchen.

Die Funde enthüllten eine ganz andere Seite von Janets Leben.

Das Dienstmädchen unterhielt eine heimliche Affäre mit Nick – Grettas Ehemann. Sie wollten sich nach Mitternacht am Hintertor treffen, die Dokumente holen und so weit wegfahren, dass niemand sie finden würde.

Doch es ging nicht nur um die Flucht.

Gretta entdeckte hinter einer Pflanze verstecktes Gift.

Unter Janets Sachen befand sich ein Testament, wonach Grettas Vermögen an Nick übergehen sollte.

In der Reisetasche waren die notwendigen Gegenstände bereitgelegt, und auf dem Zifferblatt der Uhr war Mitternacht mit Lippenstift markiert.

Janets Tagebuch enthielt offenherzige Einträge und zahlreiche boshafte Äußerungen über die Hausherrin. Alles deutete auf einen im Voraus ausgearbeiteten Plan hin: Janet und Nick wollten nicht einfach nur ein neues Leben beginnen, sondern Gretta aus dem Weg räumen und sich ihr Vermögen aneignen.

Für Gretta war dies die erste echte Enthüllung im „Puppenhaus“.

Die Person, die täglich an ihrer Seite war, ihre Zimmer aufräumte und sich als unterwürfige Dienstmagd gab, schlief gleichzeitig mit ihrem Mann und bereitete den Verrat vor.

Von diesem Moment an verlor Gretta jegliches Vertrauen in die menschliche Erscheinung.

Die äußere Persönlichkeit erschien ihr fortan wie eine Maske.

Als wahrhaftig betrachtete sie fortan nur noch das, was sie in den verborgenen Sehnsüchten entdecken konnte.

Der Plüschbär

Unter Janets Sachen befand sich ein alter Plüschbär.

Auf den ersten Blick war er der harmloseste aller gefundenen Gegenstände. Gretta wusste nicht einmal, ob er Janet selbst gehörte oder vom Dachboden gestohlen worden war.

Doch der Bär stand in Verbindung mit einer geheimen Fantasie der Zofe.

Das Puppenhaus erweckte das Spielzeug zum Leben und ermöglichte es Janet, ein Verlangen auszuleben, das sie vor ihrer Umgebung verbarg. Die Begegnung mit dem Plüschbären war kein zufälliger Vorfall, sondern Teil ihrer Verwandlung.

Gretta gab Janet das, was diese insgeheim wollte.

Doch mit der Erfüllung ihres Traums erhielt das Haus Zugang zu ihrer Seele.

Nach dem Spiel für Erwachsene mit dem zum Leben erweckten Spielzeug war Janet endgültig mit dem Puppenhaus verbunden. Gretta vollendete die Verwandlung und schickte sie hinein.

Von der Frau draußen blieb nur noch das Kleid übrig.

Im Inneren erschien eine wunderschöne Puppe.

Janets Märchen

Janets Geschichte wurde vom Puppenhaus als Märchen umgeschrieben.

In diesem Märchen starb die böse Hexe, die wunderschöne Magd heiratete den Prinzen, und an ihrer Seite blieb ihr geliebtes Bärenjunge. Sie lebten lange und glücklich.

Janet bekam fast alles, wovon sie geträumt hatte:

ein neues Leben;

Befreiung von ihrer Herrin;

Liebe;

eine schöne Rolle;

die Erfüllung einer geheimen Fantasie;

eine eigene Märchenwelt.

Doch eine einzige Veränderung hat den Sinn des Traums völlig verzerrt.

Die Freiheit war verschwunden.

Janet ist nicht mit Nick weggegangen.

Sie wurde nicht zur Herrin des erworbenen Vermögens.

Sie konnte nicht über ihr weiteres Schicksal entscheiden.

Ihr Wunsch wurde in ein Zimmer, einen Körper und eine ewige Rolle verwandelt.

Das Puppenhaus erfüllte ihren Traum im wahrsten Sinne des Wortes, nahm Janet jedoch die Möglichkeit, sich eines Tages etwas anderes zu wünschen.

So entstand die erste Puppe.

Rache, Geschenk und Machtdemonstration

Janets Verwandlung lässt sich nicht mit einem einzigen Grund erklären.

In Grettas Handeln vereinigten sich gleich mehrere Motive.

Rache

Janet hatte sie verraten, eine Affäre mit Nick begonnen und war wahrscheinlich an dem Plan beteiligt, die Hausherrin aus dem Weg zu räumen. Indem Gretta das Dienstmädchen in eine Puppe verwandelte, beraubte sie sie all dessen, wofür die Flucht vorbereitet worden war.

Janet bekam Nick nicht.

Sie bekam weder das Vermögen.

Sie wurde nicht frei.

Die Erfüllung eines Wunsches

Unter dem Einfluss des Hauses glaubte Gretta tatsächlich, dass sie Janet das ersehnte Leben geschenkt hatte. Die geheime Fantasie war erfüllt, das Märchen geschaffen, und die neue Form schien wunderbar.

Der erste Beweis der Macht

Vor Janet hatte Gretta nur den Willen des Hauses gehört.

Nach der Verwandlung erkannte sie zum ersten Mal, dass sie in der Lage war, das Schicksal eines anderen vollständig neu zu schreiben.

Genau in diesem Moment entstand die zukünftige Philosophie der Puppenmeisterin:

Wenn ein Mensch ein Verlangen verbirgt, bedeutet das, dass er Angst hat, es sich selbst einzugestehen.
Wenn Gretta in der Lage ist, diesen Wunsch zu verwirklichen, dann hat sie das Recht, die endgültige Form zu bestimmen.

Janet wurde nicht nur die erste Puppe.

Sie wurde zum Beweis dafür, dass Gretta die Unberechenbarkeit der Menschen nicht länger ertragen muss.

Das Verschwinden von Janet

Das Verschwinden des Zimmersmädchens wurde schnell bemerkt.

Ihr Kleid wurde in Grettas Haus gefunden. Die Hausherrin selbst machte keinen Hehl aus dem Vorfall und versuchte zu erklären, dass Janet ins Puppenhaus gegangen sei und nun glücklich sei.

Für die Polizei und die Ärzte klang das wie das Geständnis einer psychisch kranken Person, die am Verschwinden der Frau beteiligt war.

Gretta wurde in eine psychiatrische Klinik eingewiesen.

Sie sah sich selbst nicht als Straftäterin.

In ihrer Vorstellung war Janet am Leben, glücklich und genau dort, wo sie sein wollte.

Die Tatsache, dass niemand das Zimmermädchen mehr sehen oder hören konnte, spielte keine Rolle.

Die Puppenmeisterin begann bereits, die materielle Welt als eine begrenzte Oberfläche wahrzunehmen, hinter der es „richtigere“ Räume gab.

Nick

Nick war Grettas Ehemann, Janets Liebhaber und an dem Fluchtplan beteiligt.

Er war auf Geschäftsreise, als das Spielzeug im Haus auftauchte. Nach dem Verschwinden des Dienstmädchens und der Einweisung von Gretta ins Krankenhaus blieb Nick auf freiem Fuß.

Es ist nicht bekannt, was genau er den Ermittlern erzählt hat.

Möglicherweise hat er eine Beziehung zu Janet geleugnet.

Möglicherweise stellte er seine Frau als gefährliche, wahnsinnige Frau dar.

Möglicherweise hat er tatsächlich nicht verstanden, was mit dem Zimmermädchen geschehen war.

Doch seine eigene Geschichte kreuzte sich bald mit einer anderen Linie des Fluchs.

Nick war ein Freund von Benjamin – einem Restaurator, der vom „Albtraumhändler“ die Schatulle und die Maske Jesters erhalten hatte.

Als Benjamin die Schatulle nicht öffnen konnte, versprach Nick, vorbeizukommen und ihm zu helfen. Zu diesem Zeitpunkt hatte sich die Maske bereits mit Benjamins Gesicht verschmolzen, und sein Bewusstsein begann zu zerfallen.

Im Tagebuch des zukünftigen Jesteren taucht ein kurzer, beängstigender Gedanke auf:

Brauche ich seine Hilfe … die Säge?

Später erwähnt Benjamin ausdrücklich den zersägten Nick und schreibt, dass seine Angst die Schatulle so sehr durchdrungen habe, dass sie sich öffnete.

So wurde Grettas Ehemann zu dem Menschen, dessen Tod die Geburt des modernen Jester vollendete.

Die Verbindung zwischen Gretta und Benjamin

Die Geschichten von Gretta und Benjamin waren bereits vor ihrer persönlichen Begegnung miteinander verflochten.

Gretta verwandelte Nicks Geliebte in die erste Puppe.

Benjamin tötete Nick selbst und nutzte dessen Angst, um die Schatulle zu erwecken.

Danach landeten beide in derselben psychiatrischen Klinik.

Gretta – wegen des Verschwindens von Janet und ihrer Versuche, andere Frauen in Puppen zu verwandeln.

Benjamin – nach dem Mord an Nick und der Vereinnahmung seiner Persönlichkeit durch die Maske Jesters.

Aus der offiziellen Geschichte geht nicht hervor, ob Gretta wusste, dass Benjamin ihren Ehemann getötet hatte.

Ebenso ist unbekannt, ob Benjamin begriff, dass Nick der Ehemann jener Frau war, die in Decken gehüllt durch die Klinik lief und sich selbst als Mutter der Puppen bezeichnete.

Möglicherweise haben sie die Wahrheit nie erfahren.

Möglicherweise erfuhr Gretta davon, aber zu diesem Zeitpunkt hatte Nick für sie bereits keinen Wert mehr.

Ihr Mann hatte sie betrogen, indem er sich für Janet entschieden hatte.

Seit dem Erwachen des Puppenhauses schenkte Gretta Menschen, die aus eigenem Willen gehen konnten, kein Vertrauen mehr.

Vollkommene Liebe ist ihrer Meinung nach nur dort möglich, wo niemand in der Lage ist, die Herrin zu verlassen.

Krankenhausbericht

In den medizinischen Unterlagen wurde Gretta als Patientin mit einer schweren psychischen Störung und äußerst gefährlichem Verhalten beschrieben.

In ruhigen Phasen spielte sie die Mutter der Puppen, wickelte sich in Decken ein und lief durch die Station. Dem Personal war es untersagt, ihr Zimmer ohne Begleitung von Pflegebediensteten zu betreten, die mit Beruhigungsmitteln ausgerüstet waren.

Anlass für diese Maßnahmen war der Tod einer Krankenschwester, die Gretta in ihre Puppe verwandeln wollte.

Selbst ohne die unmittelbare Anwesenheit des „Puppenhauses“ folgte sie weiterhin dessen Willen.

Das Krankenhaus erschien ihr als vorübergehender Aufenthaltsort.

Die Patienten und Mitarbeiter – als Material.

Die Krankenzimmer – leere Räume, die noch richtig eingerichtet werden mussten.

Genau dort begegnete sie denen, mit denen sie später in die sublunare Welt ging:

Benjamin betrachtete sich nicht mehr als Mensch und verlangte, „Jester“ genannt zu werden.

Mark, der mit Abbildungen von Schlüssellöchern übersät war und sich „Schlüsselwärter“ nannte.

Den Albtraumhändler, ein kleines Wesen, das die Ärzte für einen harmlosen, hässlichen Patienten hielten.

Für die Ärzte waren dies vier Fälle von schwerem Wahnsinn.

Tatsächlich hatten sich in einem einzigen Gebäude die zukünftigen Herren der Türen, der Fantasien und der lebenden Spielzeuge versammelt.

Der Albtraumhändler

Der Albtraumhändler war der Erste, der Grettas Wünsche als echte Kraft und nicht als Krankheit betrachtete.

Er lehrte sie, durch die materielle Realität in die sublunare Welt vorzudringen.

Doch Grettas Seele und Körper blieben weiterhin an die Erde gebunden. Für den vollständigen Übergang benötigte sie Seelenzeit – eine besondere Energie menschlicher Erfahrungen, die es Wesen aus anderen Welten ermöglicht, eine materielle Gestalt anzunehmen und sich unter den Menschen aufzuhalten.

Der Händler schlug einen Handel vor.

Gretta sollte helfen, Jester und den Schlüsselwärter zu befreien.

Im Gegenzug würde das Puppenhaus nach dem Übergang in ihren Besitz übergehen.

Möglicherweise war der Händler nicht zufällig in ihrer Nähe.

Das Puppenhaus tauchte bei Gretta auf.

Die Schatulle tauchte bei Benjamin auf.

Nick verband die beiden Geschichten miteinander.

Dann befanden sich beide zukünftigen Besitzer der höllischen Besitztümer zusammen mit dem Händler an einem Ort.

Es gibt keine direkten Beweise dafür, dass er die ganze Kette inszeniert hat. Aber zu vieles ist genau so geschehen, wie es dem kleinen Händler gelegen kam.

Ginger

Um den Übergang abzuschließen, benötigte Gretta Seelenzeit.

Ihr neues Ziel war die Krankenschwester Ginger.

Gretta hielt sie für eine böse, grobe und dumme Frau, doch gerade ihre starken verborgenen Wünsche machten die Krankenschwester zu einer geeigneten Energiequelle.

Wie zuvor bei Janet begann Gretta, fünf Traumfetzen zu sammeln.

Zu Gingers Habseligkeiten gehörten:

Geld, dessen Herkunft sie verbarg;

Tabletten;

Dietrichschlüssel;

eine Einladung zu einer Party für Erwachsene;

ein teurer Ring;

Sexspielzeug;

seltene Antiquitäten;

Spuren eines geheimen Lebens, das so gar nicht zum Image einer medizinischen Fachkraft passte.

Jeder Fund zerstörte Gingers äußere Persönlichkeit und enthüllte eine Frau, die hinter ihrer Krankenhausuniform Wünsche, Verbrechen und Träume verbarg.

Gretta setzte ihr wahres Märchen zusammen.

Und dann schickte sie die Krankenschwester ins Puppenhaus.

Das verschaffte ihr die nötige Zeit für ihre Seele.

Das Feuer

Unmittelbar nach Gingers Verwandlung brach im Krankenhaus ein Feuer aus.

Es ist nicht bekannt, wer genau ihn gelegt hat und ob er Teil eines im Voraus ausgearbeiteten Plans war. Das Feuer wurde jedoch zum Moment der Befreiung der gesamten Gruppe.

Der Albtraumhändler übergab Mark einen besonderen Schlüssel.

Der Schlüsselwärter öffnete eine Tür, die zuvor nicht existiert hatte.

Dahinter lag die sublunare Welt.

Jester, der Schlüsselwärter und der Händler gingen durch das Feuer.

Gretta folgte ihnen.

Aus irdischer Sicht hätten ihre Körper im Krankenhaus sterben müssen.

Doch der Übergang erfolgte, bevor der Tod endgültig war.

Das Feuer vernichtete die früheren Gestalten.

Die sublunare Welt schuf neue.

Wiedergeburt

Hinter der Tür lag eine Welt, die der Erde überhaupt nicht glich.

Gretta erinnerte sich an ihr grünliches Leuchten als etwas Reines und Wunderschönes. Alle, die durch das Feuer gegangen waren, hatten schwere Verbrennungen erlitten, doch in der sublunaren Welt hatten sich die Verletzungen entsprechend ihrer inneren Natur neu geformt.

Der Albtraumhändler erklärte:

Die Verwandlung geht von der Seele aus.

Mark wurde zum Schlüsselwärter.

Benjamin verwandelte sich endgültig in Jester.

Gretta wurde zur Puppenmeisterin.

Sie hatte ihre menschliche Schönheit verloren, empfand dies jedoch nicht als Strafe. Im Gegenteil, ihre neue Gestalt gab ihr die Möglichkeit, anderen die Schönheit zu rauben und sie nach Belieben zu nutzen:

„Auch wenn von meiner früheren Schönheit nichts mehr übrig ist, kann ich mir doch so viel davon nehmen, wie ich will, und von wem auch immer ich will.“

Nach ihrer Verwandlung wurde ihr eine wichtige Position angeboten – das Puppenhaus, das eines der Portale zwischen den Welten darstellt.

Gretta diente nicht mehr dem Spielzeug.

Sie wurde zu dessen Herrin.

Die erste Gestalt

Die ursprüngliche Gestalt der Puppenmeisterin war relativ schlank und groß.

Der menschliche Körper verbarg sich unter einem langen, dunklen Gewand. Das Gesicht war nicht zu sehen: Im Inneren der Kapuze herrschte tiefe Dunkelheit, aus der fleischige Auswüchse herabhingen.

Sie erinnerten zugleich an:

an die Finger eines Puppenmeisterin;

Tentakel;

abgerissene Fäden;

weiche Teile eines unvollendeten Spielzeugs.

Daneben stand ein alter Kinderwagen.

In dieser Gestalt erinnerte Gretta immer noch an eine Frau, die unter einem Trauerumhang verborgen war. Ihre Haltung war aufrecht, ihre Bewegungen freier, und ihr Wesen wirkte eher wie das einer seltsamen Aufseherin als das einer alten Herrin eines riesigen Anwesens.

Das war ihr erster Anblick nach der Verwandlung.

In ihr war noch die Erinnerung an die Frau erhalten geblieben, die sich selbst als Mutter der Puppen betrachtete.

Das vollendete Erscheinungsbild

Mit der Zeit veränderte sich die Puppenmeisterin.

Ihr endgültiges Haupterscheinungsbild wurde deutlich schwerer, massiver und gebeugter.

Ihr Körper verschwand fast vollständig unter den Schichten ihres Flickenteppichs. Das Gewand scheint aus verkohltem Stoff, alten Bettdecken, Kleidungsstücken und Materialien zusammengesetzt zu sein, die den früheren Bewohnerinnen des Hauses gehörten.

Gretta bewegt sich fort, gestützt auf einen Rollstuhl und einen langen Stock mit kreuzförmiger Spitze.

Ihr Kopf ist nach wie vor von einer Kapuze verdeckt. Aus der Dunkelheit ragen Auswüchse hervor, doch nun wirken sie nicht mehr wie Überreste eines menschlichen Körpers.

Es sind vollwertige Organe eines Lebewesens.

Die gekrümmte Haltung bedeutet weder Alter noch Schwäche.

Die Puppenmeisterin trägt die Last der angesammelten

fremder Wünsche;

der gesammelten Zeit der Seele;

verwandelte Körper;

der Räume des Puppenhauses;

unvollendeter Puppen;

der Erinnerungen an diejenigen, die sie sich angeeignet hatte.

Je größer ihre Sammlung wurde, desto weniger blieb von Gretta in ihrer Erscheinung übrig.

Der Stab

Der Stab der Puppenmeisterin hat eine kreuzförmige Spitze, steht jedoch in keinem Zusammenhang mit dem christlichen Glauben.

Für Gretta ist das Kreuz in erster Linie eine Kreuzung von Linien.

Ein Ort, an dem eine Grenze eine andere kreuzt.

Gleichzeitig erinnert er an:

an den Griff eines Puppenmeisterin;

an eine Spindel;

einen Schlüssel;

an die Achse einer Marionette;

ein Grabmal;

ein Mechanismus, der die neue Gestalt fixiert.

Der Stab dient dazu, Verwandlungen zu festigen, die Grenzen des Puppenhauses zu kontrollieren und Durchgänge zu verschließen.

Damit kann Gretta eine Grenze zwischen dem früheren Menschen und der neuen Puppe ziehen.

Nach Abschluss des Rituals ist es fast unmöglich, diese Grenze wieder zu überschreiten.

Der Kinderwagen

Der Kinderwagen begleitet die Puppenmeisterin in all ihren bekannten Erscheinungsformen.

Er ist kein gewöhnliches Fortbewegungsmittel und nicht nur ein theatralisches Symbol.

Sein Innenraum ist deutlich größer als sein Außenraum.

Im Kinderwagen können sich befinden:

gefangene Seelen;

Teile neuer Körper;

Trümmer eines Traums;

unvollendete Puppen;

Eingänge zu einzelnen Räumen des Hauses;

Erinnerungen an die früheren Besitzer der Spielzeuge.

Manchmal ist von innen Bewegung zu hören.

Manchmal – leises Lachen.

Manchmal spricht Gretta mit demjenigen, der im Kinderwagen liegt, wie eine Mutter mit ihrem Kind.

Doch ihre Mütterlichkeit beruht auf vollständigem Besitz.

Das Kind wächst heran und geht eines Tages fort.

Die Puppe bleibt für immer bei ihrer Besitzerin.

Das Puppenhaus

Das Puppenhaus existiert zugleich als Gegenstand, als Portal und als eigene Welt.

Er lässt sich nicht anhand seiner äußeren Maße erfassen.

Im Inneren befinden sich Flure, Schlafzimmer, Spielzimmer, Säle, Schränke, Treppen und Türen, die in einem gewöhnlichen Spielzeug keinen Platz finden würden.

Die Architektur des Hauses verändert sich je nachdem, wer es betritt.

Für die eine Gefangene wird es zu einem gemütlichen Zuhause.

Für eine andere – zu einem Labyrinth.

Für eine dritte ist es eine Werkstatt, in der ihr Körper nach und nach verändert wird.

Jede neue Puppe erhält ihren eigenen Platz.

Der Raum entsteht aus den Wünschen, Ängsten und Erinnerungen seiner zukünftigen Bewohnerin. Deshalb kann das Puppenhaus attraktiver wirken als die reale Welt.

Er bietet genau das, was dem Menschen gefehlt hat:

Sicherheit;

Liebe;

Aufmerksamkeit;

einen schönen Körper;

kein Altern;

Befreiung von Verantwortung;

das Recht, nie wieder Entscheidungen treffen zu müssen.

Der Preis ist ein einziger:

Die neue Bewohnerin gehört nicht mehr sich selbst.

Die Natur des Hauses

Es ist nicht bekannt, wer das Puppenhaus erschaffen hat.

Gretta war nicht seine erste Schöpferin. Es tauchte bereits fertig in ihrer Wohnung auf und begann sofort, das Bewusstsein seiner Besitzerin zu verändern.

Möglicherweise ist das Haus ein eigenständiges Wesen.

Möglicherweise ist es ein uraltes Portal, das eine neue Hüterin benötigte.

Möglicherweise hat ihn der Albtraumhändler dort platziert, nachdem er in Gretta bereits die zukünftige Besitzerin erkannt hatte.

Nach der Wiedergeburt verschwindet der Unterschied zwischen Gretta und dem Haus allmählich.

Sie beherrscht seine Räume.

Das Haus versorgt sie mit Kraft.

Sie erschafft Puppen.

Die Puppen erweitern das Haus.

Wenn man eine Manifestation von Gretta zerstört, kann das Anwesen ihr Bewusstsein bewahren.

Wenn ein Teil des Hauses zerstört wird, empfindet die Puppenmeisterin den Schaden wie eine eigene Wunde.

Die Hauptpuppenmeisterin ist nicht mehr nur eine Frau, die im Portal lebt.

Sie ist sein Verstand und sein Wille.

Die Verwandlung in eine Puppe

Gretta verwandelt einen Menschen selten augenblicklich.

Eine vollständige Verwandlung erfordert Zeit, Zugang zu den Wünschen der Gefangenen und eine allmähliche Schwächung ihrer früheren Persönlichkeit.

Erste Phase: Beobachtung

Die Puppenmeisterin wählt die zukünftige Puppe aus und beginnt, ihr zu folgen.

Sie kann unsichtbar bleiben, in Türöffnungen auftauchen oder aus dem Nachbarzimmer beobachten.

Zweite Phase: Traumfetzen

Gretta findet Gegenstände, die mit den geheimen Wünschen der Person in Verbindung stehen.

Anhand dieser lässt sich am einfachsten bestimmen, welche Gestalt die Gefangene annehmen wird.

Dritte Phase: Das Angebot

Der zukünftigen Puppe wird eine Welt gezeigt, in der ihr Wunsch in Erfüllung geht.

Manchmal tritt sie freiwillig ein.

Manchmal wird sie dazu verleitet.

Manchmal bekundet Gretta ihren Widerstand einfach durch vorübergehende Verwirrung.

Vierte Phase: Bewusstseinsveränderung

Die Befehle wirken allmählich beruhigend.

Die eigene Entscheidung – ermüdend.

Der Gedanke an Unterwerfung bringt Erleichterung.

Die Gefangene denkt immer öfter, dass sie vielleicht schon immer bleiben wollte.

Fünfte Phase: Veränderung des Körpers

Die Haut wird zu glatt.

Die Gelenke gewinnen eine künstliche Beweglichkeit.

Die Kleidung verschmilzt mit dem Körper.

Die Stimme wird leiser oder klingt mechanisch.

Die Bewegungen hängen nun von Fäden, einem Schlüssel, der Berührung eines anderen oder dem Willen der Besitzerin ab.

Letzte Phase: die Rolle

Der Name verliert seine Bedeutung.

Der Mensch wird zur Dienerin, zum Spielzeug, zur Schaufensterpuppe, zur Marionette, zur Braut, zum Haustier oder zu einem Teil der Kulisse.

Danach wird die Rolle als natürlicher Zustand empfunden.

Die Puppe erinnert sich nicht mehr daran, warum sie weggehen wollte.

Grettas Philosophie

Die Puppenmeisterin betrachtet Freiheit nicht als absolutes Gut.

Für sie ist Freiheit die Ursache für den Großteil des menschlichen Leidens.

Die Menschen erhalten die Möglichkeit zu wählen – und verraten einander.

Sie können gehen – und lassen diejenigen im Stich, die sie lieben.

Sie können ihre Meinung ändern – und brechen ihre Versprechen.

Sie können ihre Wünsche verbergen – und belügen sich jahrelang selbst.

Gretta hat das am Beispiel von Nick und Janet gesehen.

Nach ihrem Verrat kam sie zu dem Schluss, dass Liebe, die auf Freiheit basiert, unzuverlässig ist.

Eine Puppe ist besser gemacht.

Sie geht nicht weg.

Sie betrügt ihre Besitzerin nicht.

Sie altert nicht.

Sie lügt nicht über ihre Wünsche.

Sie verlangt nicht, dass jede Entscheidung erklärt wird.

Deshalb betrachtet Gretta ihr eigenes Haus nicht als Gefängnis, sondern als eine verbesserte Version des menschlichen Lebens.

Verzerrte Mutterschaft

Im Krankenhaus bezeichnete sich Gretta als Puppenmutter.

Nach ihrer Wiedergeburt wurde dieses Bild zur Grundlage ihres Wesens.

Sie ist tatsächlich in der Lage, sich um ihre Spielzeuge zu kümmern:

beschädigte Körper zu reparieren;

neue Outfits zu entwerfen;

Zimmer einzurichten;

sie zu beruhigen;

sie vor anderen Wesen zu beschützen;

Seelen, die ihren Körper verloren haben, Gestalt geben.

Doch diese Fürsorge schließt Selbstständigkeit aus.

Gretta erkennt das Erwachsenwerden nicht an.

Sie akzeptiert keine Fürsorge.

Sie lässt nicht zu, dass die Puppe die ihr geschenkte Gestalt aufgibt.

Ihre Liebe klingt in etwa so:

Ich weiß, was du brauchst.
Du hast nur noch Angst, es zuzugeben.
Wenn die Verwandlung vorbei ist, wirst du aufhören, dich zu wehren, und erkennen, dass ich Recht hatte.

Genau deshalb ist es fast sinnlos, mit der Puppenmeisterin zu streiten.

Jeden Widerspruch nimmt sie nicht als menschlichen Willen wahr, sondern als eine Störung, die behoben werden muss.

Chelsea

Chelsea wird zu einer der begehrtesten Puppen von Gretta.

Sie ist schön, stark, wandlungsfähig und voller widersprüchlicher Wünsche. Zudem ist Chelsea bereits mit der sublunaren Welt verbunden und kann Räume durchqueren, in denen ein gewöhnlicher Mensch schnell die Orientierung verliert.

Für die Puppenmeisterin ist sie fast schon das perfekte Material.

Doch Chelsea besitzt eine Eigenschaft, die Gretta ständig unterschätzt.

Sie ist in der Lage, einen Teil des Spiels eines anderen anzunehmen, Freude daran zu empfinden und dennoch nicht auf den Wunsch zu verzichten, zu gehen.

Die Puppenmeisterin ist der Ansicht, dass das Vergnügen Zustimmung beweist.

Chelsea versteht, dass das eine nicht zwangsläufig das andere bedeutet.

Genau das ermöglicht es ihr, sich der Verwandlung zu widersetzen.

Die Verfolgung von Chelsea

Auf dem Rückweg zu Agnets Anwesen beginnt die Puppenmeisterin, Chelsea unbemerkt zu verfolgen.

Er warnt sie:

„Von nun an werde ich dir unsichtbar folgen und dich langsam in meine Puppe verwandeln. Wenn die Zeit abgelaufen ist, wirst du mir gehören.“

Die Verwandlung ist keine einzelne Szene, sondern eine ständige Verfolgung.

Chelsea muss einen Weg finden, Gretta loszuwerden, bevor der Countdown abgelaufen ist. Dazu muss sie die Puppenmeisterin an einen Ort locken, an dem sich der Ein- und Ausgang kontrollieren lässt, sie im Blick behalten und mit einem speziellen Tlazdine-Schlüssel einsperren.

Dies offenbart eine wichtige Einschränkung von Gretta.

Sie ist in der Lage, nahezu unendliche Innenräume zu erschaffen, kann aber selbst dort eingesperrt werden, wo die Grenzen von jemand anderem festgelegt werden.

Die Puppenmeisterin ist besonders verwundbar, wenn sie zur Gefangenen eines richtig angelegten Raums wird.

Begegnung im Hotel

Später taucht die Puppenmeisterin während der Ereignisse im Hotel erneut auf.

Sie erkennt Chelsea wieder und erinnert sie daran, dass sie ihr bereits angeboten hatte, im Puppenhaus zu wohnen.

Diesmal will Gretta nicht auf eine freiwillige Entscheidung warten:

„Ich frage dich jetzt nicht. Wir gehen zu mir nach Hause.“

Doch selbst nach der Entführung lässt sie Chelsea den Weg frei, weiterzugehen.

Wenn das Mädchen die Prüfung besteht und entkommen kann, erhält sie ihre Freiheit.

Gelingt ihr das nicht, wird sie zum Eigentum ihrer Herrin.

Als Chelsea scheitert, erklärt Gretta:

„Du konntest nicht entkommen, also wolltest du es auch nicht.“

Darin liegt die gesamte Logik der Puppenmeisterin.

Sie stellt eine komplexe Falle auf.

Sie erklärt die Regeln nicht vollständig.

Sie verfolgt die Gefangene.

Und dann wertet sie die Niederlage als freiwillige Entscheidung, zu bleiben, aus.

Der Albtraumhändler

Gretta verdankt dem Albtraumhändler ihre endgültige Gestalt.

Er hat weder ihre Wünsche geschaffen noch sie dazu gezwungen, sich in Janet zu verwandeln. Aber er war es, der

erkannte ihre Verbindung zu ihrem Zuhause;

lehrte sie, in die sublunare Welt einzudringen;

erzählte ihr von der Zeit der Seele;

half bei der Organisation der Flucht;

bot ihr sein eigenes Anwesen an;

wandelte ihre Besessenheit in eine vollwertige Kraft um.

Der Händler rettete Gretta nicht aus Mitgefühl.

Er sah in ihr eine geeignete Hüterin für ein wichtiges Portal.

Gretta bekam alles, was sie wollte.

Der Händler erhielt einen neuen Besitzer für das Puppenhaus und eine Quelle von Seelen für das System der anderen Welten.

Beide betrachten den Handel als erfolgreich.

Jester

Jester und die Puppenmeisterin kamen aus demselben Krankenhaus und gingen durch dieselbe Tür.

Sie ähneln sich in vielerlei Hinsicht.

Beide verwandeln menschliche Wünsche in eigenständige Welten.

Beide nutzen Angst und Erregung als Kraftquelle.

Beide bieten ihren Gefangenen Rollen an, aus denen man nur schwer wieder herauskommt.

Doch ihre Ziele unterscheiden sich.

Jester braucht eine lebendige Aufführung.

Er liebt Unvorhersehbarkeit, Widerstand und den Moment, in dem ein Darsteller das Drehbuch ändert.

Gretta strebt nach Vollendung.

Sie möchte, dass jede Figur den richtigen Platz einnimmt und ihn nicht mehr verlässt.

Für den Clown ist Chelsea nur so lange interessant, wie sie ihn überraschen kann.

Für Gretta wird Chelsea erst dann ideal sein, wenn sie aufhört, sich ohne Erlaubnis zu verändern.

Jester inszeniert die Szene.

Gretta schließt die Puppe nach Ende der Vorstellung im Zimmer ein.

Der Schlüsselwärter

Der Schlüsselwärter öffnete die Tür, durch die Gretta das brennende Krankenhaus verlassen konnte.

Seine Macht ist für das Puppenhaus besonders wichtig. Grettas Reich besteht aus einer Vielzahl von Grenzen: Zimmern, Schränken, Spielzeugtüren und Übergängen zwischen den Dimensionen.

Doch nicht alle Schlüssel gehören ihr.

Genau deshalb kann man manchmal aus dem Haus fliehen.

Die Puppenmeisterin kontrolliert die Architektur.

Der Schlüsselwärter kontrolliert das Prinzip des Durchgangs selbst.

Ihre Zusammenarbeit ermöglicht es, Türen zu erschaffen, die ins Innere eines Menschen, in seine Erinnerungen oder Träume führen.

Doch wenn der Schlüsselwärter beschließt, dass der Durchgang offen bleiben soll, kann selbst Gretta ihn nicht immer verschließen.

Die Seelenzeit

Die Puppenmeisterin benötigt Seelenzeit, um auf der Erde zu verweilen und ihre materielle Gestalt aufrechtzuerhalten.

Er erhält sie, indem er mit den Puppen spielt und ihre geheimen Wünsche verwirklicht.

Besonders viel Energie spenden die Momente des Übergangs:

das Bekenntnis zu einem Wunsch;

freiwillige Unterwerfung;

die Abkehr vom früheren Namen;

die Annahme einer neuen Gestalt;

Freude, vermischt mit Angst;

die endgültige Entscheidung zu bleiben.

Die Seelenzeit erklärt, warum Gretta die Gefangenen nicht sofort vernichtet.

Eine lebende Puppe ist wertvoller als ein toter Körper.

Sie ist in der Lage, die ihr zugeteilte Rolle immer wieder neu zu durchleben und dabei ihre Herrin und das Haus zu versorgen.

Fähigkeiten

Das Lesen von Wünschen

Gretta erkennt emotionale Verbindungen zwischen einem Menschen und den Gegenständen, die ihm gehören.

Traumfetzen sammeln

Sie fügt einzelne Geheimnisse zu einem Gesamtbild zusammen, das zur Grundlage der Verwandlung wird.

Körperveränderung

Die Puppenmeisterin ist in der Lage, einen Menschen in eine lebende Puppe, eine Schaufensterpuppe, ein Spielzeug oder ein Wesen mit künstlichen Gelenken zu verwandeln.

Veränderung des Bewusstseins

Sie schwächt das Streben nach Selbstständigkeit und lässt Unterwerfung als etwas Natürliches und Angenehmes erscheinen.

Bindung der Seele

Die Seele kann an ein Spielzeug, ein Kleidungsstück, einen Raum, einen Mechanismus oder einen Teil des Puppenhauses gebunden werden.

Raummanipulation

Gretta gestaltet Räume neu, verändert ihre Größe und verbindet Innenräume mit anderen Welten.

Verfolgung

Sobald eine Verbindung hergestellt ist, kann sie der zukünftigen Puppe folgen, wobei sie entweder unsichtbar bleibt oder am Rande des Sichtfeldes erscheint.

Verwendung des Kinderwagens

Der Kinderwagen dient als Aufbewahrungsort für Seelen, als Werkstatt und als mobiler Zugang zu einzelnen Bereichen des Hauses.

Entnahme der Seelenzeit

Die Puppenmeisterin nährt sich von den Erfahrungen, die beim Annehmen einer neuen Rolle entstehen.

Die Entführung der Schönheit

Sie ist in der Lage, attraktive Züge und Eigenschaften von einem Körper auf einen anderen zu übertragen und so eine neue, ideale Form zu schaffen.

Einschränkungen

Die Puppenmeisterin ist außerordentlich stark, aber nicht allmächtig.

Eine vollständige Verwandlung braucht Zeit.

Solange die Persönlichkeit noch nicht endgültig umgeschrieben ist, kann sich die Gefangene wehren.

Gretta ist von der Lebensdauer der Seele abhängig und kann sich ohne neue Quellen nicht unbegrenzt auf der Erde aufhalten.

Man kann sie in einem Raum mit kontrollierten Ein- und Ausgängen einsperren.

Spezielle Schlüssel können die Verbindung zum Puppenhaus einschränken.

Doch Grettas größte Schwäche liegt in ihrer Weltanschauung.

Sie versteht nicht, dass ein Mensch sich etwas wünschen kann und dennoch nicht den Wunsch hat, diesen Wunsch in ein ewiges Leben zu verwandeln.

Erlebtes Vergnügen bedeutet nicht, dass man bereit ist, der Herrin zu gehören.

Eine Fantasie muss nicht zwangsläufig zum Schicksal werden.

Eine vorübergehend übernommene Rolle hebt nicht das Recht auf, aus ihr auszusteigen.

Gretta ist nicht in der Lage, diesen Unterschied anzuerkennen.

Genau deshalb enttäuscht Chelsea immer wieder ihre Erwartungen.

Was von Gretta übrig geblieben ist

Die menschliche Gretta ist nicht vollständig verschwunden.

Sie zeigt sich in den Gewohnheiten der Puppenmeisterin:

dem Bestreben, alles zu berücksichtigen;

dem Wunsch, Ordnung zu schaffen;

der Aufmerksamkeit für kleine Gegenstände;

in der Eifersucht;

der Unfähigkeit, Verrat zu verzeihen;

der Überzeugung, dass ein korrekt aufgebautes System wichtiger ist als menschliche Gefühle.

Sogar das Puppenhaus erinnert an ein riesiges Buchhaltungsbuch.

Jede Seele hat ihren Platz.

Jeder Traum hat eine Form.

Jedes Verlangen hat seinen Preis.

Jede Puppe hat ein Zimmer.

Nichts darf spurlos verschwinden.

Nick und Janet haben einmal versucht, sich heimlich aus Grettas Leben zu entfernen und damit die Ordnung ihrer Welt zu stören.

Die Puppenmeisterin hat eine Realität geschaffen, in der so etwas nicht mehr möglich ist.

Jetzt verlässt niemand mehr ihre Welt ohne Erlaubnis.

Beziehungen und Bedeutung

Die Puppenmeisterin verkörpert den Wunsch, sich um jemanden zu kümmern, der sich in das Recht auf Besitz verwandelt hat.

Henri entzieht dem Menschen das Recht, als unschuldig zu gelten.

Jester entzieht das Recht, aus der Rolle zu treten.

Der Albtraumhändler verwandelt die Wahl in ein ungleiches Geschäft.

Gretta entzieht dem Menschen das Recht, sich zu verändern.

Sie ist in der Lage, Schönheit zu schenken.

Ewige Jugend.

Sicherheit.

Einen neuen Körper.

Die Erfüllung einer geheimen Fantasie.

Einen Ort, an dem man immer willkommen ist.

Doch dafür nimmt es einem die Zukunft.

Die Puppe altert nicht – weil sie kein normales Leben mehr führt.

Sie bleibt nicht allein – denn sie kann nicht weggehen.

Sie macht keine Fehler – denn die Entscheidungen trifft ihre Besitzerin.

Sie leidet nicht unter Verrat – denn sie ist nicht mehr in der Lage, sich für jemand anderen zu entscheiden.

Für Gretta ist das eine perfekte Welt.

Für einen Menschen – eine wunderschön eingerichtete Ewigkeit ohne das Recht, die Tür zu öffnen.